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Motivation
24.07.2018

Wie Sie Ihre Azubis mit dem 4-Farben-Modell treffsicher einschätzen und lenken

Nicht jeder Mensch ist gleich. Mit manchen verstehen Sie sich besser, mit manchen schlechter. Was im Privatleben kein Problem darstellt, weil Sie mit dem einen gern etwas unternehmen und sich von dem anderen fernhalten, funktioniert im Berufsleben nicht, insbesondere nicht bei Ihnen als Führungskraft und Ausbilder. Denn Sie können sich als Ausbilder keine ausgeprägten Sympathien und Antipathien leisten, wenn Sie fair und gerecht sein wollen. Außerdem ist es Ihr Bestreben, jeden Azubi so zu „packen“, dass er motiviert im Team mitarbeitet.

Ausbilder mit einer guten Menschenkenntnis und einem ausgeprägten Maß an Empathie tun sich in dieser Beziehung leichter. Sie erkennen Azubi-Persönlichkeiten intuitiv und finden schnell den richtigen Umgang mit ihnen.

Aber auch, wenn Sie nicht der geborene Menschenversteher sind, gibt es Tricks und Methoden, mit deren Hilfe Sie relativ schnell erkennen können, wie der andere „tickt“.

Der Markt für Persönlichkeitstests ist groß. Ich stelle Ihnen hier das sehr praxisnahe 4-Farben-Modell von Frank M. Scheelen, dem Vorstandsvorsitzenden der Scheelen AG und Geschäftsführer der Insights International Deutschland, vor. Es bietet Ihnen sowohl die Möglichkeit einer umfassenden Einschätzung der Stärken als auch eine Beurteilung der Entwicklungsbedürfnisse der Azubis.

  1. Der „Rote Azubityp“. Sein Ziel: persönliche Herausforderungen

Der rote Azubityp ist in erster Linie dominant und zeigt sich entscheidungsfreudig, kontrollierend, ziel- und sachorientiert sowie beherrschend. Er ist ein Macher und eignet sich sehr gut als Führungsnachwuchs. Er weiß, wo es langgeht, und fühlt sich seinen Mitmenschen gegenüber gern etwas überlegen. Weil er von Natur aus neugierig ist, liebt er die Herausforderung und steht Neuem aufgeschlossen gegenüber. Trotz aller Logik verlässt er sich oft auch auf seinen Instinkt.

Seine Schwäche: Unter Umständen „überrollt“ er andere, wenn es darum geht, ein Ziel zu erreichen, und vergisst dabei den Teamgedanken.

So gehen Sie mit ihm um: Wenn Sie diesen Azubi nicht fordern, wird ihm schnell langweilig und es kann passieren, dass er sich mit dem Gedanken trägt, die Ausbildung hinzuwerfen. Er denkt lösungsorientiert und möchte, dass Sie als Ausbilder:

  • Ihr Anliegen klar und deutlich vertreten;
  • Kompetenz beweisen;
  • nicht lange herumreden und Zeit verschwenden;
  • ihm nur die nötigsten Informationen mitteilen, die er für seine Arbeit braucht.

Sagen Sie kurz und prägnant, was warum getan werden muss. Betonen Sie die Ziele, die mit der Aufgabe verbunden sind. Er respektiert Sie, wenn Sie selbstbewusst und seiner starken Persönlichkeit gewachsen sind. Unentschlossenheit kann er gar nicht leiden.

  1. Der „Gelbe Azubityp“. Sein Ziel: persönliche Anerkennung

Der gelbe Azubityp ist in erster Linie kontaktfreudig, optimistisch, kreativ und begeisterungsfähig. Er zeigt sich offen und liebt es, über Privates zu plaudern. Er ist sehr vertrauensselig und braucht von seinem Umfeld viel Anerkennung. Seine Begeisterungsfähigkeit reißt andere mit. Pessimistische Kleingeister verachtet er.

Seine Schwäche: Er lässt sich leicht ablenken und hat oft Mühe, seine Ideen in die Tat umzusetzen. Routine mag er überhaupt nicht.

So gehen Sie mit ihm um:

  • Gestalten Sie die Zusammenarbeit mit ihm reibungslos. Provozieren Sie keine Konfrontationen, sondern überzeugen Sie ihn mit Visionen.
  • Für ihn ist Zwischenmenschlichkeit besonders wichtig. Ellbogenmentalität und kalte Zahlenfixierung sind ihm ein Gräuel. Konflikte wirken sehr demotivierend auf ihn.
  • Unterstreichen Sie das Neue, das Besondere, das Außergewöhnliche.
  • Hören Sie aufmerksam zu, beherrschen Sie nicht das Gespräch; zeigen Sie ihm immer wieder, dass Sie ihn nicht nur als Azubi, sondern auch als Menschen anerkennen.

 

  1. Der „Grüne Azubityp“. Sein Ziel: Harmonie und überschaubare Strukturen

Der grüne Azubityp ist in erster Linie einfühlsam, wirkt etwas zurückhaltend, zeigt sich aber freundlich und umgänglich. Er liebt es, Teil eines größeren Ganzen zu sein, schätzt klare Strukturen und kümmert sich gern um die Probleme anderer. Er ist ein typischer Beziehungsmensch mit großem Harmoniebedürfnis. Sein Motto: In der Ruhe liegt die Kraft.

Er ist ein Mensch, auf den man sich verlassen kann, aber er scheut Risiken. Er ist ein Teamplayer, dem die Meinung anderer (Kollegen, Vorgesetzte) extrem wichtig ist.

Seine Schwäche: Er kann schwer mit hohem Leistungsdruck umgehen. Wenn das Teamklima nicht stimmt, leidet seine Arbeit darunter.

So gehen Sie mit ihm um: Dieser Azubi muss Ihnen als Führungskraft vertrauen können. Seien Sie aufrichtig und verlässlich. Betonen Sie immer wieder die Sicherheitsaspekte, das Bewährte und die Bedeutung für das Team, wenn Sie ihm eine Aufgabe übertragen.

Er mag es nicht, wenn Sie laut sprechen, zu direkt und schnell sind. Geben Sie ihm Zeit, Ihre Anweisungen zu verdauen. Bieten Sie ihm an, jederzeit mit Fragen auf Sie zukommen zu können.

  1. Der „Blaue Azubityp“. Sein Ziel: die optimale Lösung

Er ist in erster Linie gewissenhaft. Als introvertierter Denker analysiert er sorgfältig und beobachtet scharf und kritisch. Er braucht Ruhe und viel Zeit zum Nachdenken und möchte möglichst viel wissen. Er erkennt schnell Fehler und Irrtümer, ist sehr diszipliniert und ordentlich. Es fällt ihm schwer, über Gefühle zu reden. Kurzum, er ist der ideale Buchhalter, Ingenieur oder Controller.

Er stellt hohe Ansprüche an sich selbst und steht für Genauigkeit und Präzision. Als Zahlen-Daten-Fakten-Mensch ist er bestens über den Markt und Konkurrenzprodukte informiert und möchte Sie als seinen kompetenten Ansprechpartner.

Seine Schwäche: Er schiebt Entscheidungen gern auf, um sich das Ganze noch einmal in aller Ruhe zu überlegen.

So gehen Sie mit ihm um: Überzeugen Sie ihn mit Zahlen, Daten und gut recherchierten Fakten, wenn Sie ihm eine Aufgabe übertragen. Bauen Sie Ihre Argumentation logisch auf. Bleiben Sie sachlich, erzählen Sie keine ausschmückenden Geschichten und verzichten Sie auf betonte kollegiale Freundlichkeit. Das Thema Beziehung steht für ihn nicht im Vordergrund.

Lautes, aggressiv-dominantes Auftreten schätzt er nicht, vor allem, wenn keine „Substanz“ hinter dem selbstdarstellerischen Gehabe steckt. Für Nachlässigkeiten, die Fehler provozieren, hat er überhaupt kein Verständnis.

Test: Welcher Typ ist Ihr Azubi?

Mit dem folgenden Test können Sie Ihre Auszubildenden, aber auch sich selbst schnell einordnen. Natürlich ist jeder Mensch ein Mischtyp. Trotzdem ergeben sich in der Regel bestimmte dominante Persönlichkeitsmerkmale, die dort vorliegen, wo die Summe der angekreuzten Eigenschaften am größten ist.

Autor: Günter Stein

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