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Recht
22.05.2018

Azubi verursacht Schaden im Betrieb – so handeln Sie angemessen

Wer über Jahre hinweg Auszubildende beschäftigt, der hat mit Sicherheit irgendwann einmal einen Schaden zu beklagen, den ein Azubi herbeigeführt hat. So etwas bleibt in der Ausbildung – und auch in einer „normalen“ Beschäftigung – nicht aus. Was aber sind die Folgen?

Dass Auszubildende Fehler machen, kommt einfach vor. Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wo junge Menschen beschäftigt werden, erhöht sich dieses Risiko. Das hat verschiedene Ursachen: Zum einen neigen gerade männliche Auszubildende, die sich naturgemäß im „kritischen“ Alter zwischen 16 und 20 Jahren befinden, dazu, Risiken einzugehen und sich selbst zu überschätzen. Möchte ein Azubi zudem unbedingt cool sein oder will er jemand anderem imponieren, dann kann das fatale Folgen haben – auch für den Ausbildungsbetrieb. Des Weiteren macht sich oft fehlende Erfahrung bemerkbar. Auch dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, einen Schaden zu verursachen.

Ist es dann der Ausbildungsbetrieb, der auf dem Schaden sitzen bleibt? Liegt das Risiko tatsächlich allein bei Ihnen, also beim Unternehmen? Die Antwort auf diese Frage ist „nein“. Es kommt nämlich ganz darauf an, wie sich der Vorfall, der zu dem Schaden führte, zugetragen hat.

Das sind die Konsequenzen bei leichter Fahrlässigkeit

Es ist manchmal eine kleine Unachtsamkeit, die zu einem größeren Schaden führt. Wenn der Azubi beispielsweise beim Bedienen einer Maschine Ausschuss, also fehlerhafte Teile, produziert, weil ihm die genaue Arbeitsanweisung nicht klar ist, er aber auf Rückfrage verzichtet, dann ist von leichter Fahrlässigkeit auszugehen.

Was das für die Haftung bedeutet: Bei leichter Fahrlässigkeit kann der Auszubildende nicht haftbar gemacht werden. Das Ausbildungsunternehmen trägt den Schaden allein.

 

Das sind die Konsequenzen bei mittlerer Fahrlässigkeit

Anders sieht es aus, wenn der Azubi den Schaden durch angemessene Sorgfalt hätte vermeiden können: Bedient er beispielsweise die oben genannte Maschine falsch, greift aber nicht ein, weil er gerade mit anderen, unwichtigeren oder gar privaten Dingen beschäftigt ist, dann liegt mittlere Fahrlässigkeit vor. Zumindest der Schaden, der über den im oben genannten Fall hinausgeht, also der zusätzlich produzierte Ausschuss, hätte nicht sein müssen.

Was das für die Haftung bedeutet: Bei mittlerer Fahrlässigkeit können Sie den Auszubildenden an der Behebung des Schadens beteiligen und ihn zur Kasse bitten. Der Grad der Beteiligung richtet sich nach dem Grad des Verschuldens, ist also im Einzelfall individuell zu prüfen.

Das sind die Konsequenzen bei grober Fahrlässigkeit

Arbeitet der Auszubildende an besagter Maschine und ist er schlicht neugierig darauf, was passiert, wenn er einen bestimmten Knopf drückt, dann kann ihm grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden. Das gilt insbesondere dann, wenn ihm vorher klargemacht wurde, welche Funktionen einer Maschine er ausüben darf und welche nicht. Der Azubi hat dann klare Regeln missachtet.

Was das für die Haftung bedeutet: Bei grober Fahrlässigkeit können Sie den Auszubildenden für den gesamten Schaden haftbar machen. Das gilt natürlich auch, wenn der Auszubildende den Schaden vorsätzlich, also mit Absicht, verursacht.

Hier finden Sie fünf weitere Gerichtsentscheidungen zur Haftung in der Ausbildung…

Autor: Martin Glania

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