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Kzenon
Recht
07.02.2019

Azubi immer wieder in Streitereien verwickelt: Kündigung?

Frage: Ich habe ein großes Problem mit einem Auszubildenden. Er hat riesiges Potenzial, aber er macht sich alles kaputt. Er ist seit 1½ Jahren bei uns, und rückblickend muss ich sagen, dass er bislang in keiner einzigen Ausbildungsabteilung zurechtgekommen ist. Überall gab es irgendwann Ärger.

Wir haben bereits zahllose Gespräche mit dem Auszubildenden geführt. Eigentlich weiß er ganz genau, dass es an ihm liegt. Er hat seine Nerven einfach nicht im Griff, neigt zu Beleidigungen, ist zynisch und ein Provokateur. In der jüngsten Vergangenheit haben seine Bemerkungen im Rahmen von Streitereien zudem einen aggressiven Unterton. In der vergangenen Woche haben sich die Ereignisse überschlagen, und ich sehe mich damit gezwungen, mich von diesem Auszubildenden zu trennen – so leid es mir tut.

Wie schätzen Sie die Situation ein? Was sagt die Rechtslage? Kann ich diesem Auszubildenden fristlos kündigen? Ich bin mir sicher, dass er dagegen klagen wird. Wie sehen Sie unsere Chancen, ihn endgültig loszuwerden?

Antwort: Ob eine Kündigung gerechtfertigt ist, kann ich nach Ihren Ausführungen nicht sicher beantworten. Allerdings habe ich größte Bedenken. Sie schreiben, dass sich der Azubi generell nicht im Griff habe, dass er zu Beleidigungen neige und provoziere. Das ist alles nicht konkret genug. Auch die Sache mit dem aggressiven Unterton ist nur eine allgemeine Behauptung. Wenn Sie einem Auszubildenden fristlos kündigen wollen, dann müssen Sie deutlich konkreter argumentieren.

Beispielsweise müssen Sie in einer Kündigung ganz genau schreiben, wie der Auszubildende jemanden beleidigt hat. Wurde er zuvor noch nicht abgemahnt (wovon ich in Ihrem Fall ausgehe), dann kann nur eine sehr grobe Beleidigung direkt zu einer Kündigung führen. Gleiches gilt für seinen aggressiven Unterton: Ist dieser als eine glaubwürdige Drohung, beispielsweise jemanden zu verletzen, einzuordnen? Nur dann käme eine fristlose Kündigung infrage.

 

Verschiedene Delikte in eine Kündigung packen: Tun Sie das nicht!

In Ihrem Fall gehe ich davon aus, dass sich der Azubi schon so einiges geleistet hat. Wahrscheinlich sind Sie deshalb der Meinung, dass er das Fass jetzt zum Überlaufen gebracht hat. Daher kann ich Sie gut verstehen. Allerdings wird das ein Arbeitsrichter anders einstufen. Wenn Sie einem Azubi fristlos kündigen wollen und die Sache vor dem Arbeitsgericht Bestand haben soll, dann muss etwas ganz Bestimmtes vorgefallen sein, das für sich allein für eine Kündigung ausreicht.

Konzentrieren Sie sich also auf ein einziges Vergehen bzw. mehrere Vergehen derselben Art, um dem Azubi fristlos zu kündigen. Werfen Sie aber nicht verschiedene Vergehen, die für sich genommen jeweils nicht ausreichen, um eine Kündigung auszusprechen, in die Waagschale. Damit würden Sie vor dem Arbeitsgericht nicht durchkommen.

Denken Sie zudem ernsthaft darüber nach, dem Auszubildenden noch eine Chance zu geben. Sie sollten ihm zeigen, dass er seine Ausbildung riskiert und Sie es ernst meinen. Mahnen Sie den Azubi wegen eines bestimmten Vergehens ab. Dann hat er es selbst in der Hand, ob er so etwas noch einmal wiederholt oder nicht.

Autor: Martin Glania

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