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Ausbildungsqualität
19.06.2018

5 Minuten in den Start des Azubis in Ihrer Abteilung investieren

Es ist kein Geheimnis: Es gibt sie nicht, die 2. Chance für den ersten Eindruck. So, wie wir uns gegenüber unseren Chefs, Geschäftspartnern und eben auch Azubis in den ersten Minuten des Kennenlernens verhalten, determinieren wir die gemeinsame Zusammenarbeit. Umso erstaunlicher, dass wir gerade diesen ersten Minuten viel zu wenig Beachtung schenken. Lesen Sie hier, wie Sie von Anfang an für klare Verhältnisse sorgen.

Manchmal ist einfach der Wurm drin. Von Anfang an – und keiner weiß eigentlich so genau, warum oder wo es angefangen hat. Gründe, warum die Zusammenarbeit – oder, um es genauer zu sagen, die Ausbildungszeit in einer Abteilung – wenig harmonisch und produktiv ist, gibt es wirklich wie Sand am Meer:

  • Sie können in der Person oder auch in der Motivation des Azubis liegen.
  • Sie können in der Lernfähigkeit Ihres Azubis bestehen.
  • Die äußeren Umstände stimmen nicht.
  • Und, und, und – und eben die ersten 5 Minuten des Kennenlernens, die nicht optimal gelaufen sind.

Doch während Sie die meisten Gründe mit mehr oder weniger viel Aufwand aus der Welt schaffen können, um mit Ihrem Azubi harmonisch und produktiv zusammenzuarbeiten, sieht das beim klassischen Fehlstart ganz anders aus.

Warum der 5-Minuten-Fehlstart so gefährlich ist

Gerade, wenn es am ersten Tag des Azubis in Ihrem Bereich hektisch zugeht und Sie ihn nur zwischen Tür und Angel kurz begrüßen, kann das mächtig daneben gehen. Die 3 größten Gefahren, wenn Sie zwischen 2 Terminen kurz aus dem Stehgreif die ersten Sätze wechseln, sind:

  1. Sie vermitteln dem Azubi unbeabsichtigt das Gefühl, er wäre in Ihre Abteilung abkommandiert. Beispiel: Sie haben gerade an diesem Montag besonders viele Termine. Die Kurzbegrüßung des Azubis möchten Sie sich aber nicht entgehen lassen. Selbst genervt und etwas unkonzentriert vermitteln Sie den Eindruck, der Bereich wäre eine Strafabteilung.
  2. Sie hinterlassen einen lustlosen und wenig konzentrierten Eindruck.
  3. Ihre Körpersprache widerspricht dem, was Sie sagen, weil Sie gedanklich ganz woanders sind.
Mein Tipp: Gerade weil die Zeit, die Ihr Azubi in Ihrer Abteilung bzw. in Ihrem Bereich verbringt, oft so knapp bemessen ist, gilt es, diese besonders effizient zu nutzen. Ein falscher Einstieg kann hier zum echten Stolperstein werden.

 

 

Nutzen Sie die Erkenntnisse zum Elevator Pitch für Ihren Einstieg

Machen Sie sich bewusst, dass es beim Erstkontakt darum geht, Ihrem Schützling in wenigen Minuten folgende 3 Punkte klar zu machen:

  1. Als Fachausbilder sind Sie kompetent und kennen Ihre Aufgaben.
  2. Ihre Abteilung bzw. Ihr Bereich ist fachlich versiert, kompetent und elementarer Bestandteil des Gesamtbetriebs.
  3. Sie haben eine Erwartungshaltung an den Azubi.

Und so setzen Sie die 3 Punkte in die Praxis um

Um diese komplexen Sachverhalte in 5 Minuten deutlich zu machen, bedarf es einer gewissen Vorbereitung. Dabei können Sie auf eine interessante und sehr erfolgreiche Technik aus dem Verkaufstraining zurückgreifen. Denn schließlich geht es auch in Ihrem ersten 5-Minuten-Kontakt um nichts anderes als den Verkauf: Sie verkaufen sich und Ihre Abteilung möglichst positiv, um als Gegenleistung möglichst viel Leistung vom Azubi zurückzubekommen. Die Formulierung „Elevator Pitch“ geht auf die ursprüngliche Idee zurück, Kunden oder Chefs innerhalb einer kurzen Aufzugfahrt von einem Produkt oder einer Idee zu begeistern. Wenn der Aufzug im gewünschten Stockwerk ankommt und sich die Türen öffnen, ohne dass Sie Ihr Gegenüber überzeugen können, ist die Chance vertan. Bezogen auf Ihren Azubi: Verlässt dieser Ihr Büro nach Ihrem Kurzkennenlernen und hegt er in nur einem der 3 Bereiche Zweifel, haben Sie die Chance auf einen reibungslosen Start nicht genutzt.

So erstellen Sie Ihren individuellen Elevator Pitch (am Beispiel der Ausbildungsstation Kundenservice):

Diese Bereiche muss Ihr Elevator Pitch abdecken

Was Sie beantworten müssen, um den Bereich abzudecken

Formulierungshilfe

Wecken Sie Interesse. Wie können Sie altersgerecht und bei dem Wissenstand des Azubis Interesse wecken? „Wussten Sie, dass Sie mit jedem unzufriedenen Kunden, den Sie wieder zu einem zufriedenen Kunden machen, dem Betrieb im Schnitt 652 € Mehrumsatz sichern?“
Präsentieren Sie Ihr (Ausbildungs-)Angebot. Welche Ausbildungsinhalte bieten Sie?

Wodurch haben Sie die Aufgaben Ihrer Abteilung bereits fest etabliert?

„Bei mir lernen Sie, wie Sie aus unzufriedenen Kunden Stammkunden machen“

„Grundsätzlich werden Sie hier die Kundendatenbank, die Bearbeitung von Kundenreklamationen und interessante Gesprächstechniken erlernen.“

Heben Sie den speziellen Nutzen heraus. Was sind die Besonderheiten Ihrer Abteilung? „Wir müssen und können uns hier zu 100% aufeinander verlassen. Nichts ist unprofessioneller, als wenn ein Kunde anruft und die Datenbank von Kollegen nicht gepflegt wurde. Jeder Kollege muss immer über den kompletten Verlauf des Kundenkontakts informiert sein.“
Legen Sie offen Ihre Motivation dar und übertragen Sie diese auf Ihren Schützling. Wieso setzen Sie sich für die optimale Ausbildung Ihrer Schützlinge ein? „Ich liebe meinen Job, muss aber zugeben, dass mir in meiner Ausbildung nicht bewusst war, wie wichtig dieser Bereich für den Gesamtbetrieb ist. Das ärgert mich heute noch, denn hier bilden wir die Nachwuchskräfte aus. Und die müssen – egal, wo sie nach der Ausbildung landen – den direkten Kontakt mit dem Kunden live miterlebt haben. Nur so können wir besser werden und vom Kunden lernen.“
Formulieren Sie einen abschließenden Wunsch bzw. Appell, der Ihre gemeinsame Ausbildungszeit einläutet. Zeigen Sie, wieso es sich für den Azubi lohnt, in Ihrem Bereich vollen Einsatz zu zeigen. „Ich weiß, am Anfang fällt es schwer, sich auf die oft komplexen Kundengespräche einzulassen. Aber Sie werden sehen, jeden Tag übernehmen Sie mehr die Gesprächsführung. Und das ist mein Anspruch an Sie. Sie müssen nicht von Anfang an alles können, aber jeden Tag einen kleinen Schritt nach vorn machen. Wir werden das gemeinsam sicherlich schnell erreichen.“

Halten Sie diese Aussagen parat

Haben Sie diese Fragen für sich beantwortet, fassen Sie diese schriftlich zusammen und legen Sie sich diese am Schreibtisch parat. Dabei geht es natürlich nicht darum, jedem Azubi wortwörtlich die gleiche „Begrüßungsrede“ vorzubeten. Damit würden Sie das Gegenteil von dem erreichen, was eigentlich Ihr Ziel war. Denn alles, was auswendig gelernt wird, wirkt nicht dynamisch, wenig individuell und schon überhaupt nicht begeisternd.

Nehmen Sie sich die Liste regelmäßig zur Hand und überprüfen Sie ihre Aktualität. Reflektieren Sie, ob die Punkte, die Ihnen wichtig waren, bei den Azubis auch so angekommen sind. Oder ob Sie den Schwerpunkt Ihres Elevator-Pitches anders legen sollten.

So überzeugen Sie jeden Azubi

Eigentlich müssen Sie sich nur die linke Spalte merken (Interesse, Angebot, Nutzen, Motivation und Appell). Denn die Inhalte haben Sie im Kopf, sobald Sie diese einmal in Ruhe überdacht und schriftlich niedergelegt haben. Mit der Zeit werden Sie auch ein immer besseres Gefühl dafür bekommen, bei welchem Azubi, der Ihnen in den nächsten Wochen über die Schulter schaut, Sie welchen Punkt besonders betonen müssen. Mit dem 5-Punkte-Stützkorsett bleiben Sie aber immer fokussiert und gehen sicher, die ersten 5 Minuten optimal – für sich und die Ausbildung des Azubis – genutzt zu haben.

Mein Tipp: Geht es Ihnen auch so? Ganz egal, ob Sie neu in eine private oder auch geschäftliche Gruppe kommen (z.B. Vorstellung gegenüber den anderen Eltern beim Elternabend oder Vorstellung eines neuen Kollegen), manchmal ist es gar nicht so leicht, auf einfache Fragen eine pointierte Antwort zu formulieren. So hat mich beispielsweise die einfache Frage „Und, was machen Sie so beruflich genau?“ oder am Telefon „Worum geht’s?“ schon mächtig ins Schwitzen gebracht. Dabei hätte mir klar sein müssen, dass eine solche Frage kommt. Seitdem ich mir die 5 Punkte vorab überlege, gehören Fehlstarts der Vergangenheit an. Probieren Sie es bei Gelegenheit einmal aus!

 

Wie Sie Azubis dauerhaft motivieren, lesen Sie hier.

Autor: Günter Stein

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