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Recht
29.05.2018

Kunde erleidet Schaden durch Azubi-Fehler: Haften Sie?

Der Fehler eines Auszubildenden kann nicht nur für das Ausbildungsunternehmen zu einem Schaden führen, sondern auch für einen Kunden. Die Konsequenzen können erheblich sein. Damit stellt sich die Frage, ob der Ausbildungsbetrieb für die Folgen aufkommen muss.

Das duale System der Berufsausbildung ist auch deswegen so erfolgreich, weil es in Unternehmen durchgeführt und von diesen verantwortet wird. Auszubildende erleben damit wirtschaftliche und betriebliche Realität. Und das ist auch gut so. Der Nachteil: Wenn ein Azubi einen Fehler macht, kann man die Zeit nicht zurückdrehen. Entsteht beispielsweise einem Kunden ein erheblicher Schaden, dann ist Ärger vorprogrammiert.

Vor einigen Jahren gab es einen Fall, an dem das besonders gut deutlich wird – und den Sie mit Ihren Auszubildenden durchsprechen sollten. Es handelte sich lediglich um das Versäumnis einer Frist, doch die Folgen waren erheblich.

Azubi-Fehler bewirkt Abschiebung

Das war passiert: Eine ansonsten sehr zuverlässige Auszubildende hatte es versäumt, im Auftrag ihres Chefs – eines Rechtsanwalts – Widerspruch gegen den Abschiebebescheid einer Asylbewerberin einzulegen. Dies musste an einem bestimmten Tag geschehen, um nicht in Verzug zu geraten. Die Auszubildende war an diesem Tag allerdings durch mehrere Telefonate abgelenkt. Sie vergaß, das Fax mit dem Widerspruch abzusenden. Dies bemerkte ihr Chef erst am folgenden Tag.

Der Rechtsanwalt schickte das Fax ab und begründete die Fristversäumnis damit, dass er davon ausgegangen sei, dass das Fax versandt worden war. Schließlich habe er einer zuverlässigen Auszubildenden hierzu die klare Anweisung gegeben. Zudem machte er deutlich, dass die Arbeiten von Auszubildenden in der Kanzlei regelmäßig überwacht würden.

So entschied das Verwaltungsgericht: All das spielte keine Rolle. Die Frist war abgelaufen. Damit wurde gegen die Abschiebung der Asylbewerberin kein Widerspruch eingelegt. Diese musste Deutschland ohne eine erneute Prüfung ihres Asylantrages verlassen.

Verhindern Sie solch dramatische Folgen

Der Fall zeigt eindrucksvoll, wie groß die Schäden sein können, die Auszubildende – und natürlich auch andere Kollegen – verursachen können. Das Gericht machte keinen Unterschied bei der Bewertung, ob eine Auszubildende oder ein „normaler“ Mitarbeiter die Arbeit hätte erledigen müssen. Es sah die Hauptverantwortung beim Chef selbst, der noch am selben Tag die korrekte Übertragung des Faxes hätte überprüfen müssen.

Beachten Sie: Sie können nicht mit Nachsicht rechnen, weil ein Kunde aufgrund eines Fehlers, den ein Azubi und kein „normaler“ Mitarbeiter verursacht hat, einen Schaden erleidet. Letztendlich wird ein solcher Fehler als Fehler von Ihnen bzw. dem Ausbildungsunternehmen gewertet – mit allen Konsequenzen. Insofern müssen Sie damit rechnen, die Haftung zu übernehmen.

 

Azubi-Tätigkeiten: Auf diese beiden Faktoren kommt es an

Natürlich können Sie nicht jede kleine Arbeit Ihrer Auszubildenden kontrollieren. Das würde nicht nur das Vertrauensverhältnis beeinträchtigen, sondern auch einen großen organisatorischen Aufwand bedeuten. Trotzdem sollten Sie bei bestimmten Arbeiten eine Kontrolle durchführen. Beachten Sie bei der Auswahl der zu kontrollierenden Tätigkeiten folgende 2 Aspekte:

  1. Wie zuverlässig ist der Auszubildende? Manche Azubis sind in der Lage, bestimmte Tätigkeiten, die auch Kunden und Lieferanten betreffen, sehr zuverlässig auszuführen. Hier genügt es oft, über die Arbeitsergebnisse zu sprechen oder kontrollierende Stichproben vorzunehmen. Bei manchen Azubis sollten Sie jedoch Vorsicht bei risikobehafteten Tätigkeiten walten lassen. Differenzieren Sie also unbedingt nach der jeweiligen Leistungsfähigkeit der Auszubildenden.
  2. Um welche „Fallhöhe“ handelt es sich? Wie groß kann der Schaden sein, den ein Azubi-Fehler für den Kunden nach sich zieht? Im oben genannten Beispiel hätte der Rechtsanwalt als Chef unbedingt kontrollieren müssen, ob seine Auszubildende alles erledigt hatte. Die Fallhöhe war – in Form der nicht mehr abwendbaren Abschiebung – enorm hoch. Ist das Risiko hingegen deutlich geringer, können Sie schon mal auf eine Kontrolle verzichten. Beispiel: Aufgrund eines Azubi-Fehlers erhält ein Kunde falsche Ware. Aufgrund der geringen räumlichen Entfernung und der Lagerbestände kann der Fehler aber noch am selben Tag ausgebügelt werden, ohne dass – vom organisatorischen Aufwand abgesehen – die betrieblichen Abläufe beim Kunden gestört werden.

Beachten Sie: Im Fall mit dem vergessenen Fax gaben die Richter des Verwaltungsgerichts gute Anhaltspunkte dafür, wie ein entsprechender Schaden vermieden werden kann. Nach ihrer Empfehlung müssen Hilfspersonen, zu denen auch Auszubildende gehören,

  1. sorgfältig ausgewählt,
  2. umfassend und detailliert angeleitet und
  3. effektiv überwacht werden.

Hieran können Sie als Ausbildungsverantwortlicher, der Azubis auch verantwortungsvolle Sonderaufgaben übergibt, sich bestens orientieren.

Weitere Haftungsbeispiele bei Azubi-Fehlern finden Sie hier.

Autor: Martin Glania

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