0228–9550120 ausbildernews@vnr.de
contrastwerkstatt - Fotolia
Recht
12.06.2018

Azubi durch Sportunfall erkrankt – selbst verschuldet?

Frage: Ein Azubi hat sich beim – privaten – Fußballturnier verletzt und fällt nun länger wegen einer gebrochenen Hand aus. Bekommt er Entgeltfortzahlung oder nicht?

Antwort: Als sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer haben Auszubildende das Recht, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall für eine Dauer von 6 Wochen von Ihrem Unternehmen zu erhalten. Ausnahmen gibt es nur dann, wenn der Azubi seine Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet hat. Liegt er z. B. im Bett oder im Krankenhaus, weil er gezielt an einer Schlägerei – etwa im Rahmen eines Fußballspiels oder einer Demonstration – teilgenommen hat, dann entfällt sein Recht auf Entgeltfortzahlung. In dem Fall müssen Sie als Ausbildungsbetrieb allerdings nachweisen, dass ein Verschulden des Auszubildenden vorliegt. Dies könnte sich als schwierig herausstellen, da sich der Auszubildende möglicherweise der Konsequenzen bewusst ist und daher einen anderen Grund für seine Erkrankung bzw. Verletzung nennt.

Wenn ein gefährlicher Sport bewusst ausgeübt wird

Normalerweise zahlen Sie die Vergütung auch weiter, wenn sich der Azubi beim Sport verletzt – wie in Ihrem Fall. Das gilt einerseits z. B. für den Kreuzbandriss beim Zweikampf im Fußball und andererseits auch etwa bei einem Rückenleiden, das durch den Kegelsport ausgelöst wurde.

Allerdings gibt es 3 Ausnahmen, in denen Sie das Entgelt nicht fortzahlen müssen:

  1. Der Azubi wählt eine sportliche Betätigung, die seine Kräfte und Fähigkeiten bei Weitem übersteigt. Beispiel: Ein Auszubildender nimmt völlig untrainiert an einem Wettkampf teil, erleidet einen Zusammenbruch und fehlt einige Tage im Betrieb.
  2. Der Azubi verstößt in grober Weise gegen gängige und anerkannte Regeln und handelt dabei leichtsinnig. Beispiel: Ein Auszubildender geht dem Klettersport nach, verzichtet aber bis zu einer Höhe von 3 m auf eine Sicherung. Er stürzt ab und erleidet einen Beinbruch, der ihn wochenlang an der Ausbildung hindert.
  3. Der ausgeübte Sport gilt als gefährlich. So hat das Arbeitsgericht Hagen bereits vor Jahren festgestellt, dass Kickboxen eine solche gefährliche Sportart ist.

Ob ein kranker Azubi zum Gespräch im Betrieb erscheinen muss, erfahren Sie hier…

Autor: Günter Stein

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Wie Sie Ihre Azubis fundiert beurteilen

Eine wesentliche Voraussetzung für das Erstellen einer gerechten Beurteilung ist das zielgerichtete Beobachten von Auszubildenden während ihrer Arbeit. Wer denkt, er könne einen Auszubildenden zum Ende des Ausbildungsabschnitts... Weiterlesen

23.10.2017
Kündigungsschutzklage bei Auszubildenden

Wird einem Auszubildenden gekündigt, hat dieser natürlich das Recht, dagegen vorzugehen. Es kommt immer wieder vor, dass Ausbildungsbetriebe frühzeitig und emotional beeinflusst eine Kündigung aussprechen. Steht diese... Weiterlesen

23.10.2017
Wie das ganze Unternehmen von einem Azubi-Gesundheitsprojekt profitiert

Als Ausbilder haben Sie natürlich ein Interesse daran, dass Ihre Schützlinge gesund bleiben. Der Geschäftsführung geht es nicht anders. Zumal: Wenn ein Betrieb in die Gesundheit seiner Auszubildenden investiert, dann kann man... Weiterlesen