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Recht
03.04.2019

Ein Azubi als Administrator der Facebook-Seite des Betriebs – ist das erlaubt?

Fast in jedem Auszubildendenjahrgang finden sich Spezialisten, die über umfassende Kenntnisse im Umgang mit Computern und dem Internet verfügen. Was liegt da näher, als solchen „Cracks“ die Betreuung der Azubi-Homepage oder Facebook-Seite anzuvertrauen? Nicht nur entlasten Sie sich damit, die verantwortungsvolle Aufgabe fördert auch die Selbstständigkeit und die sozialen Kompetenzen der Azubis. Doch Sie sollten ein Auge auf die Ausführung haben.

Die Voraussetzungen für einen Azubi-Administrator

Um die wichtigste Frage gleich zu Beginn zu beantworten: Ja, Azubis dürfen grundsätzlich an der Administration von Auftritten im Netz beteiligt werden. Es gibt dabei nur 2 Voraussetzungen:

  1. Es handelt sich um ausbildungsbezogene Plattformen, Homepages oder Blogs und das Aufgabenportfolio umfasst Arbeiten wie z. B. Upload von Materialien oder Betreuung des eigenen Forums oder Gästebuchs.
  2. Die Azubis erhalten durch die administrativen Aufgaben keinen Zugang zu personenbezogenen Daten von Kollegen oder Ähnlichem.

Wahren Sie unbedingt Ihre Aufsichtspflicht

Natürlich liegen die Verantwortung und die Aufsichtspflicht bei der Übertragung solcher Aufgaben an Auszubildende bei Ihnen. Das bedeutet einerseits, dass Sie Schaden von dem Azubi abwehren müssen. Andererseits müssen Sie verhindern, dass durch den Auszubildenden Dritte zu Schaden kommen.

Deshalb ist es obligatorisch, dass Sie stets die Administratorarbeiten der Azubis kontrollieren und einen Überblick über deren Aktivitäten haben. Achten Sie dabei besonders auf die folgenden 2 Punkte:

Punkt 1: Verteilen Sie die Aufgaben sinnvoll

Nicht jeder Azubi ist für jede Aufgabe geeignet. Zur Pflege eines Gästebuches etwa braucht es mehr als nur die technisch-fachliche Kompetenz. Oft spielen soziale Kompetenzen eine ebenso große Rolle, besonders wenn z. B. die Azubi-Homepage auch den öffentlichen Auftritt darstellt.

Punkt 2: Klären Sie die betroffenen Azubis gründlich über ihre Rechte und Pflichten auf

Nur wenn Ihre Azubis wissen, was sie dürfen und was nicht, können sie sich auch korrekt verhalten. Veranstalten Sie für die neuen Administratoren eine Einführungsstunde.

 

 

Mein Fazit für Sie 

Die Verteilung administrativer Aufgaben an Azubis sollte keine Probleme darstellen, sofern keine Dritten und die Azubis selbst nicht gefährdet werden. Planen Sie die Aufgabenverteilung im Vorfeld genau. Die regelmäßige Kontrolle der Arbeit der Azubis und die Wahrung der Aufsichts- bzw. Fürsorgepflicht liegen bei Ihnen. Gelingt dies, entlasten Sie sich selbst und ermöglichen Ihren Azubis, sich wichtige und zukunftsrelevante Fähigkeiten anzueignen.

Wenn Ihre Azubis in sozialen Netzwerken moderieren

Stellen Sie bei der Übertragung der Website-Verantwortung auf Azubis unbedingt Regeln auf, zu deren Einhaltung sich die am Projekt beteiligten Auszubildenden verpflichten. Diese umfassen vor allem folgende Aspekte:

Klare Identität

Ihre Azubis sollten sich als das ausgeben, was sie sind: nämlich zu allererst einmal Auszubildende und in 2. Linie Moderatoren und Teilnehmer an Diskussionen innerhalb der Ausbildungsfanseite bzw. der Unternehmensseite eines sozialen Netzwerks.

Bewusstsein für Verantwortung

Es sollte den Auszubildenden stets klar sein, dass sie das Ausbildungsunternehmen offiziell vertreten. Bestehen Zweifel, wie in einem kritischen Fall zu verfahren und welche Antwort angemessen ist, sollten Azubis bei Ihnen nachfragen. Sie als Ausbilder stehen hierfür gerne zur Verfügung.

Umgang mit Kritik

Ihre Azubis sollten in sozialen Netzwerken geäußerte Kritik keineswegs persönlich nehmen, sie aber auch nicht ignorieren. Sie können durchaus – wenn es angemessen ist – einem Kritiker teilweise Recht geben, sollten ihm aber auch deutlich machen, in welchen Punkten er irrt.

Umgang mit Beleidigungen

Wer jemanden beschimpft oder beleidigt, der sollte in eher leichten Fällen deutlich zurechtgewiesen werden. Diese Kompetenz können Sie Ihren Azubis durchaus übertragen oder sich auch selbst einmischen. Vor allem: In schwerwiegenden Fällen ist stets eine kurzfristige Reaktion wichtig, damit beleidigende und niveausenkende Äußerungen nicht allzu lange stehen bleiben. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Teilnehmer keine Lust mehr auf eine Diskussion und schon gar nicht an einer Bewerbung haben.

Ehrliche Äußerungen

Ihre Azubis sollten sich stets um Ehrlichkeit bemühen. Dabei kann durchaus auch mal Kritik mitschwingen, denn schließlich ist in keiner Ausbildung alles perfekt. Wer die Welt nur rosarot malt, der wird irgendwann unglaubwürdig.

Autor: Günter Stein

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