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Ausbildungsqualität
07.11.2019

Ausbildungsqualität: Mit diesen 7 Maßnahmen sichern Sie nachhaltig ein hohes Niveau

Botengänge erledigen, das Lager aufräumen, Geschirr spülen oder den Büroboden wischen – viele Azubis müssen regelmäßig Tätigkeiten übernehmen, die auf den ersten Blick nicht zur Ausbildung gehören. Natürlich läuft kaum eine Ausbildung ohne sogenannte „ausbildungsfremde Tätigkeiten“ ab. Aber diese dürfen nicht überhandnehmen. Mit den folgenden 7 einfachen Maßnahmen können Sie eine fortwährend hohe Ausbildungsqualität auch über lange Zeiträume gewährleisten.

Analysieren Sie ehrlich die Ausbildungsqualität

Auch wenn Ihr Unternehmen einen guten Ruf als Ausbildungsbetrieb hat, dürfen Sie es nicht als selbstverständlich ansehen, dass dies auch so bleibt. Beantworten Sie daher ehrlich die beiden folgenden Fragen:

  • Haben Sie eine niedrige Abbruchquote und können Sie das Niveau halten?
  • Wie bewähren sich Ihre übernommenen Azubis im Angestelltenverhältnis?

Analysieren Sie solche Kennzahlen und Einschätzungen auch unter Einbeziehung Ihrer Kollegen regelmäßig, damit Sie Veränderungen zeitnah erkennen und darauf reagieren können.

Hinterfragen Sie Ihre eigene Ausbildungsabteilung

Wenn eine Abteilung oder ein Team einen Auszubildenden beschäftigen, betreuen und anleiten darf, dann ist das eine besondere Herausforderung. Das gilt insbesondere für Sie. Denn Sie tragen die Verantwortung für die Vermittlung der Inhalte eines bestimmten Ausbildungsabschnitts. Auch wenn Sie als verantwortlicher Ausbilder über die Ausbildung in Ihrem Unternehmen noch niemals Klagen gehört haben – weder von Azubis noch von Ausbilderkollegen: Überlegen Sie ggf. gemeinsam mit Betriebsrat und Geschäftsführung, welche organisatorischen und personellen Maßnahmen zu einer Verbesserung führen können oder welcher Arbeitsbereich bzw. welche Person die kritischen Ausbildungsaufgaben alternativ übernehmen könnte.

Mein Tipp: Wichtig ist, dass Ihre Auszubildenden sich trauen, sich auch in kritischen Situationen zu melden und ihre Ansichten und Vorschläge zu Gehör bringen – nicht nur in Bezug auf die Ausbildungsinhalte, sondern durchaus auch in Bezug auf die Personen, die mit der Ausbildung betraut wurden. Sorgen Sie dafür, dass eine ausreichende Anzahl von Ansprechpartnern zur Verfügung steht und diese den Azubis bekannt sind. Auch anonyme Kommunikationswege können helfen, etwa die Einrichtung eines „Kummerkastens“.

Interviewen Sie Ihre ehemaligen Azubis zur Ausbildungsqualität

Zur Überprüfung der Ausbildungsqualität erhalten Sie wichtige Informationen vor allem von den Azubis selbst. Während der Ausbildung gibt Ihnen der eine oder andere Azubi möglicherweise aber keine ehrliche Antwort. Bei Ihren „Ehemaligen“ hingegen spielen solche Faktoren normalerweise keine Rolle mehr. Nutzen Sie daher die kompetente Meinung Ihrer Ex-Azubis innerhalb des ersten halben Jahres nach der Übernahme in ein Arbeitsverhältnis, um deren Meinung zur Ausbildungsqualität und Verbesserungsvorschläge zu erhalten.

Richten Sie einen Qualitätszirkel ein

Überprüfen Sie Ihre Ausbildungsqualität auch mithilfe eines Qualitätszirkels. Dabei handelt es sich um eine standardisierte und formalisierte Form der Zusammenkunft aller an der Ausbildung Beteiligten: Ausbilder, ausbildende Fachkräfte, Auszubildende, Kollegen, Vorgesetzte. Ziel eines Ausbildungsqualitätszirkels ist, die Ausbildungsqualität im Rahmen von Sitzungen zu thematisieren und Verbesserungsmöglichkeiten zu diskutieren. Die Treffen finden regelmäßig über einen längeren Zeitraum in festgelegten Abständen statt, um die bestehenden Ausbildungsstrukturen zu verbessern. Mitglieder des Zirkels sammeln Verbesserungsvorschläge, diskutieren diese und vereinbaren konkrete Verbesserungsschritte, deren Umsetzung terminiert wird. Dabei sind auch Kriterien zur Messung des Erfolges festzulegen. Wichtiger Hinweis: Innerhalb der Gruppe sind die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass möglichst viele Ideen ohne Sanktionsmechanismen geäußert und vertieft werden können.

Orientieren Sie sich an den Leitfragen des Bundesinstituts für Berufsbildung

Diskutieren Sie diese Fragen doch einmal im Ausbilderkreis:

  • Stellen Sie die Ausbildung entlang festgelegter Kriterien regelmäßig auf den Prüfstand?
  • Wie werden die Konsequenzen zur Verbesserung der Ausbildung abgeleitet?
  • Wie beziehen Sie die unterschiedlichen Erwartungen der Beteiligten bei der Prüfung und Verbesserung der Ausbildung ein? Auf die Ergebnisse dürfen Sie gespannt sein!

Beachten Sie 2 Regeln, wenn Sie „grenzwertige Aufgaben“ vergeben

  • Die berufsnotwendigen Tätigkeiten müssen in jeder Ausbildungsphase hinreichend vertreten sein. Erst wenn die relevanten Lernziele der Ausbildungsphase erreicht sind, kommen Tätigkeiten infrage, die eher am Rande eine Rolle spielen und von denen Sie möglicherweise einen höheren Nutzen haben.
  • Sie dürfen nicht den Eindruck erwecken, einen „normalen“ Arbeitnehmer durch den Azubi ersetzen zu wollen. Wird z. mit der Anstellung eines Azubis eine Putzhilfe überflüssig und eingespart – und wird dies durch eine Entlassung auch noch offensichtlich –, stellt das einen klaren Verstoß gegen das Berufsbildungsgesetz dar. Es kommt also auf die Häufigkeit der ausbildungsfremden Tätigkeiten an. Dabei muss der zu erlernende Beruf berücksichtigt werden, denn was in dem einen alltäglich ist, gilt in einem anderen als berufs- und damit auch als ausbildungsfremd. Damit ist der Ausbildungsrahmenplan Ihr Mittel zur Legitimation von Aufträgen, die an den Auszubildenden vergeben werden können. Aber auch hier gilt: Beachten Sie stets den angemessenen Umfang.

Holen Sie den Betriebsrat zur Sicherung der Ausbildungsqualität mit ins Boot

Der Betriebsrat und auch die Jugend- und Auszubildendenvertretung können dazu beitragen, dass eine qualifizierte Ausbildung im Unternehmen sichergestellt wird. Setzen Sie sich mit dem Betriebsrat zusammen und entwerfen Sie eine Betriebsvereinbarung zum Thema Ausbildung. Legen Sie zusammen die Eckpunkte einer Betriebsvereinbarung fest, z. B.:

  • Zielsetzung der Betriebsvereinbarung,
  • Zeitpunkt des Inkrafttretens der Betriebsvereinbarung,
  • Abstimmung und Auswahl von Ausbildungsplätzen,
  • Abstimmung und Auswahl von Auszubildenden,
  • Aufgaben der Ausbilder,
  • Häufigkeit von Entwicklungsgesprächen der Ausbilder mit den Auszubildenden,
  • Beteiligung des Betriebsrats bei Gestaltung des Ausbildungsablaufes,
  • Einsetzung eines Ausbildungsausschusses
Ein Beitrag von Günter Stein.

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