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Motivation
26.01.2019

Mit diesen 5 Regeln ersticken Sie und Ihre Azubis eine Krise im Keim

Es ist für jedes Ausbildungsverhältnis am besten, eine Ausbildungskrise von vornherein zu verhindern. Das gelingt Ausbildungsunternehmen vor allem dann, wenn es klare Regeln gibt. An diese Regeln muss sich jeder – vom Auszubildenden über den Vorgesetzten und Ausbilder bis zum Kollegen – gebunden fühlen.

In Unternehmen, die eine menschliche Atmosphäre schaffen, die Leistung fordern, ohne zu überfordern, die wirkliche Vorbilder nach vorne stellen und in denen man über alles reden kann, werden junge Auszubildende gefördert. Ausbildungskrisen gibt es hier selten bis überhaupt nicht. Aber was machen diese Unternehmen richtig? Die Antwort ist einfach: Sie halten sich an die folgenden 5 Regeln:

Regel 1: Beide Seiten nehmen den Ausbildungsvertrag ernst

Mit der Unterschrift unter den Ausbildungsvertrag haben sich sowohl das Ausbildungsunternehmen mit seinen Ausbildern als auch der Azubi zu bestimmten Dingen verpflichtet. Diese Verpflichtungen müssen beide Seiten ernst nehmen. Und natürlich gibt es für den Azubi auch Rechte, von denen er profitieren will: beispielsweise die Teilhabe an Ausbildungsprozessen in Schule und Betrieb und die Zahlung einer angemessenen Vergütung.

Leider haben Verträge in den Augen junger Menschen manchmal keinen allzu großen Wert. Es macht daher Sinn, den Ausbildungsvertrag mit Azubis – möglichst in den ersten Wochen – genau durchzugehen. Jeder gute Ausbildungsvertrag enthält die Verpflichtungen, auf die sich ein Azubi einlässt. Er hat zum Beispiel unterschrieben, dass er angemessene Arbeitsaufträge erfüllt, dass er sich an die Arbeitszeiten hält und dass er sorgfältig mit Betriebseigentum umgeht. Dieses Bewusstsein wird ihn nur dann während der gesamten Ausbildungszeit begleiten, wenn nach der Vertragsunterzeichnung noch einmal intensiv darüber geredet wird.

Im Gegenzug nehmen natürlich auch Sie Ihre Verpflichtungen ernst, bilden qualitativ gut aus, stellen hierfür Personal zur Verfügung und zahlen die Ausbildungsvergütung pünktlich.

Regel 2: Es gibt eine Feedbackkultur, die tatsächlich gelebt wird

Wie bewerten Sie das Verhalten Ihres Auszubildenden? Sind Sie mit seinen Leistungen in Schule und Betrieb zufrieden? Ihr Azubi hat jedenfalls ein Recht auf Feedback durch Sie als Ausbilder. Dieses müssen Sie ihm regelmäßig geben, ohne die Wirklichkeit zu verzerren. Teilen Sie mit, womit Sie zufrieden sind und womit weniger.

Zu einer mitarbeiterorientierten Feedbackkultur gehört auch der umgekehrte Weg: Auch Ihr Azubi darf Ihnen bzw. der ausbildenden Abteilung ein Feedback geben. Er soll – natürlich begründet – anmerken, was er gut findet und was weniger.

Regel 3: Beschwerden sind möglich – bei allen Problemen

Eine wirksame Feedbackkultur muss noch ein Stück weiter gehen: Wenn der Azubi sich schlecht behandelt fühlt, dann darf er sich auch beschweren. Er muss allerdings wissen, an wen er sich wenden soll: Wichtig ist, dass er, sofern das angemessen und möglich ist, Probleme zunächst intern und im kleinen Kreis vorträgt. Wenn er zum Beispiel unterfordert ist, weil er seiner Ansicht nach viel zu oft monotone Tätigkeiten erledigen muss, dann ist seine derzeitige Ausbildungsabteilung sein Ansprechpartner. Kommt es dort zu keiner Einigung, können Sie die Ausbildungs- und Personalleitung involvieren.

Ganz wichtig: Probleme, wie es sie in jeder Ausbildung geben kann, gehören nicht in soziale Netzwerke. Einen solchen, bei jungen Leuten zum Teil automatisierten Mechanismus muss sich der Azubi in Ausbildungsangelegenheiten abgewöhnen.

 

Regel 4: Respekt wird im Ausbildungsunternehmen großgeschrieben

Menschlich und respektvoll zu handeln, ist keine Selbstverständlichkeit. In manch einem Ausbildungsbetrieb gibt es zu viele Vorurteile, die sich negativ auf die Ausbildung auswirken und Krisen fördern. Gerade Auszubildende, die in der Hierarchie ganz unten stehen, sollten daher besonders respektvoll behandelt werden.

Es ist Ihre Aufgabe, dieses Denken bei allen Kollegen, die mit Ausbildungsaufgaben betraut sind, zu fördern. Wer respektlos mit Azubis umgeht, der fördert nicht nur Ausbildungskrisen, sondern kann sogar einen Ausbildungsabbruch hervorrufen. Scheuen Sie sich nicht, solche Kollegen von Ausbildungstätigkeiten zu entbinden.

Regel 5: Vorbilder benehmen sich auch vorbildlich

Junge Menschen suchen sich Vorbilder. Erfolgreiche Arbeitnehmer in Ihrem Unternehmen haben das Potenzial dazu, diese Rolle zu übernehmen. Gehen diese Kollegen angemessen mit ihrer Vorbildrolle um? Hinterfragen Sie von Zeit zu Zeit, ob dem tatsächlich so ist.

Ein mögliches Vorbild für einen Azubi sind auch Sie als Ausbilder bzw. Ausbildungsverantwortlicher. In Ihrem Fall ist es besonders wichtig, dass Sie Kollegen Respekt entgegenbringen, Arbeitszeitregeln beachten, fremdes Eigentum angemessen behandeln und sorgfältig arbeiten. Ist das der Fall, dann fördern Sie tatsächlich eine Atmosphäre, die Ausbildungskrisen verhindert. Gleichzeitig sind Sie ein Multiplikator für ein solches Verhalten.

Autor: Martin Glania

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