0228–9550120 ausbildernews@vnr.de
liveostockimages - Fotolia
Recht
13.08.2018

Gesetzliche Grundlagen für die Ausbildungsarbeit

Bei der Arbeit mit Azubis müssen Ausbildungsverantwortliche die gesetzlichen Grundlagen stets im Hinterkopf haben. Deshalb haben wir die wichtigsten Grundlagen hier für Sie zusammengefasst:

Das Mutterschutzgesetz

Ausbildung und Schwangerschaft – das ist keineswegs ein Widerspruch. Eine Ausbildung kann durchaus im schwangeren Zustand und später mit Kind erfolgreich abgeschlossen werden. Zwischendurch gibt es für Sie aber einiges zu beachten.

Das Mutterschutzgesetz (MuSchG) gilt für alle Arbeitnehmerinnen, die ein Kind erwarten oder bekommen haben – auch für Auszubildende. Ihnen als Ausbilder schreibt das Gesetz im Umgang mit der Auszubildenden einen bestimmten, schonenden Umgang vor.

4 Maßnahmen nach dem MuSchG, die Sie ergreifen müssen

Aufsichtsbehörde benachrichtigen

Sobald Sie über die Schwangerschaft der Auszubildenden Bescheid wissen, benachrichtigen Sie unverzüglich – also sofort – die zuständige Aufsichtsbehörde. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um das Gewerbeaufsichtsamt.

Betriebsrat informieren

Gibt es in Ihrem Unternehmen einen Betriebsrat, dann informieren Sie anschließend diesen. Aber Vorsicht: Wenn die Auszubildende darauf verzichten will, den Betriebsrat zu informieren, verzichten Sie darauf.

Beschäftigungsverbote beachten und kommunizieren

Vor allem aber beachten und kommunizieren Sie die Beschäftigungsverbote des MuSchG an alle Kollegen, die mit der Auszubildenden zusammenarbeiten. Gesundheitsgefährdende und schwere körperliche Arbeiten sind von nun an tabu. Gleiches gilt für Akkordarbeit sowie Nacht- und Sonntagsarbeit. Falls entsprechende Tätigkeiten bei der Auszubildenden anstehen, stellen Sie den Ausbildungsplan entsprechend um.

Schutzfristen vormerken

Bereits jetzt sollten Sie die Schutzfristen des Mutterschutzes vormerken. Grundsätzlich gilt: 6 Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin darf die Auszubildende nicht mehr beschäftigt werden. Ausnahme: Sie selbst wünscht weiterzuarbeiten und ist nicht krankgeschrieben. Die Schutzfrist nach der Entbindung endet dann nach 8 Wochen (bei Früh- und Mehrlingsgeburten nach 12 Wochen). Dieses Beschäftigungsverbot ist absolut und lässt sich daher auch nicht auf Wunsch der Auszubildenden außer Kraft setzen.

 

Das Arbeitszeitgesetz

Über die maximalen Arbeitszeiten Ihrer Auszubildenden informiert Sie das Arbeitszeitgesetz. Es gilt zumindest für die volljährigen Azubis. Bei Auszubildenden unter 18 Jahren gelten die Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes.

Bei volljährigen Auszubildenden sollten Sie Folgendes beachten:

  • Die maximale tägliche Arbeitszeit liegt bei 8 Stunden an 6 Tagen in der Woche. Damit sind 48 Wochenstunden möglich.
  • Ausnahmsweise kann die tägliche Arbeitszeit auf 10 Stunden erhöht werden, allerdings muss hierfür zeitnah ein Ausgleich geschaffen werden.
  • Länger als 6 Stunden dürfen auch erwachsene Auszubildende nicht ohne Pause beschäftigt werden.
  • Bei einer Arbeitszeit zwischen 6 Stunden und 9 Stunden müssen mindestens 30 Minuten Pause gewährleistet sein.
  • Beträgt die Arbeitszeit ausnahmsweise länger als 9 Stunden, sind 45 Minuten Pause verpflichtend.
  • Zwischen 2 Arbeitstagen müssen mindestens 11 Stunden Ruhephase liegen.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das auch unter dem Namen Antidiskriminierungsgesetz bekannt ist, ist für Sie in allen Phasen der Ausbildung relevant. Das beginnt bereits bei der Auswahl der Auszubildenden, bei der Sie keine Bewerbergruppen oder einzelne Bewerber benachteiligen dürfen.

Es betrifft darüber hinaus die Dauer der Ausbildung – beispielsweise, wenn es darum geht, wer welche Tätigkeiten ausübt, wer welche Funktionen übernimmt oder wer Sonderprojekte organisiert. Letztlich ist das AGG von Bedeutung, wenn die Entscheidung über eine mögliche Übernahme fällt.

Diese Personengruppen sind vom AGG geschützt

Nach dem AGG dürfen Bewerber, Auszubildende und „normale“ Arbeitnehmer nicht aufgrund ihrer Rasse, Herkunft, wegen des Geschlechts oder ihrer Religion bzw. Weltanschauung benachteiligt werden. Ebenso darf niemand wegen seiner Behinderung, seines Alters oder seiner sexuellen Identität diskriminiert werden.

 

Autor: Martin Glania

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Machen Sie in Sachen Internet-Recruiting nicht diese beiden entscheidenden Fehler

Viele Firmen sind so auf die Bewerbersuche fixiert, dass sie viele Dinge in ihrem Recruitingprozess gar nicht mehr hinterfragen. Gerade in dem jedem zugänglichen Medium Internet kann sich das als schwerer Fehler erweisen. 2... Weiterlesen

23.10.2017
Wann ist eine Stellenanzeige diskriminierend?

Wenn Sie einen Ausbildungsplatz ausschreiben, müssen Sie genau auf die Formulierung achten. Sie dürfen niemanden beispielsweise wegen des Geschlechts, des Alters oder der Religion benachteiligen. So steht es im Allgemeinen... Weiterlesen

23.10.2017
Was genau versteht man unter einer Verbundausbildung?

Vielleicht haben Sie sich auch schon oft gefragt, was das eigentlich ist und wann eine Verbundausbildung möglich ist. Hier kommt die Antwort: Viele Ausbildungsordnungen sind heute so anspruchsvoll, dass Betriebe die Anforderungen... Weiterlesen