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Motivation
26.09.2018

Ausbildungsabbruch: 4 mögliche Ursachen und Gegenmaßnahmen

25,8 % aller Ausbildungsverträge wurden im Jahr 2017 vorzeitig gelöst. So steht es im Berufsbildungsbericht 2018. Damit hat die Quote den üblichen Schwankungsbereich zwischen 20 und 25 % verlassen. Das Problem des Abbruchs ist also besonders akut und sollte von Ihnen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn jede einzelne Vertragsauslösung schadet nicht nur dem betroffenen Auszubildenden, sondern auch dem Ausbildungsunternehmen.

Schließlich wird Ihnen der Auszubildende – spätestens in einigen Jahren – als Fachkraft fehlen. Dazu kommt der Imageverlust, der mit jedem Ausbildungsabbruch verbunden ist und der sich in den sozialen Medien oft ohne großen Aufwand vervielfacht. Deshalb sollten Sie nach jedem Abbruch selbst reflektieren: Haben Sie Fehler gemacht? Während der Ausbildung? Oder bereits bei der Azubi-Auswahl? Solche Fragen sind unangenehm, aber unabdingbar. Denn nur so kommen Sie der Ursache des Abbruchs auf den Grund und können wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen.

Welche Gegenmaßnahmen das in Bezug auf die 4 häufigsten Abbruchursachen sind, erfahren Sie jetzt:

Ursache 1: Der Praxisschock wirkt

Die Umstellung vom Schüler zum Arbeitnehmer ist für den Auszubildenden zu groß. Deshalb zieht er – mal früher, mal später – seine Konsequenzen. Der für Sie wichtige Punkt: Je länger die Zeitspanne zwischen Ausbildungsbeginn und Praxisschock-bedingtem Ausbildungsabbruch dauert, desto größer wäre Ihre Chance gewesen, das Ausbildungsverhältnis zu retten.

Ihre Gegenmaßnahme

Im Mittelpunkt Ihrer Bemühungen steht, den Ausbildungsabbruch zu verhindern, indem Sie regelmäßig und häufig Gespräche mit neuen Auszubildenden führen. Fragen Sie Ihre Azubis ganz direkt, wie es ihnen geht, und nehmen Sie Bedenken und Kritik ernst. Schließlich können Sie als Ausbildungsverantwortlicher bestimmte Rahmenbedingungen der Ausbildung – natürlich immer auf dem Boden der Ausbildungsordnung – ändern und die Zufriedenheit Ihrer Auszubildenden damit deutlich steigern. Sorgen Sie zudem dafür, dass Ihre Azubis eine Bezugsperson haben, die sensibel auf ihre Probleme reagiert.

Ursache 2: Eine wirkliche Integration des Azubis scheitert

Nicht jeder Auszubildende steht gerne und gezielt im Mittelpunkt, erzählt Geschichten schon zum Frühstück und unterhält seine Abteilung während der Arbeitszeit und der Mittagspause. Manch einer braucht viele Tage oder Wochen, um sich wohlzufühlen. Ein solcher Azubi hat das Bedürfnis, seine Kollegen zunächst einmal kennenzulernen, bevor er ihnen etwas anvertraut. Das führt zum Beginn von Ausbildungsabschnitten, also kurz nach dem Wechsel in eine neue Abteilung, oft dazu, dass die Integration hakt. Ein Auszubildender kann so innerhalb einer Arbeitsgruppe vollständig isoliert werden. Dies macht einen Ausbildungsabbruch wahrscheinlicher.

Ihre Gegenmaßnahme

In jeder Abteilung ist eine bestimmte Person, ein Ausbildungsbeauftragter oder Fachausbilder, für die Ausbildung verantwortlich. Dieser Verantwortung muss diese Person gerecht werden. Das gilt vor allem dann, wenn etwas im Argen liegt. In der Praxis kann es durchaus vorkommen, dass ein Fachausbilder vom Personal- oder Ausbildungsverantwortlichen diese Verantwortung vergisst. Wenn Sie also Defizite erkennen, nehmen Sie Ihre Ausbilder, mit denen Sie regelmäßig Gespräche führen sollten, in die Pflicht.

Was definitiv weiterhilft

Kontaktpflege während der Arbeitszeit, Gespräche über den Fortschritt der Ausbildung und die Arbeitszufriedenheit oder ein lockerer Austausch, der durchaus eine private Dimension haben kann. Was ebenfalls wirkt, ist, einen zweiten Auszubildenden, der als unproblematisch und kommunikativ gilt, in derselben Ausbildungsabteilung auszubilden. Das bringt die Kommunikation mit Sicherheit voran.

 

Ursache 3: Der Azubi ist überfordert, und die Leistungen gehen nach unten

Gerade in der heutigen Zeit, in der es an Bewerbern mangelt, ist nicht jeder neue Azubi so leistungsfähig, wie es sich Ausbilder wünschen. Oft lassen die Leistungen in der Berufsschule zu wünschen übrig, ebenfalls die Ergebnisse im Ausbildungsbetrieb. Die Unzufriedenheit des Azubis steigt, und ein Ausbildungsabbruch ist zum Greifen nahe.

Ihre Gegenmaßnahme

Wenn Defizite bestehen, die den Ausbildungsfortschritt hemmen, ist schnellstens zu reagieren. Sogenannte ausbildungsbegleitende Hilfen, die die Arbeitsagentur finanziert, leisten Abhilfe. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der Azubi seine Defizite selbst erkennt und freiwillig an entsprechenden Maßnahmen teilnimmt.

Ursache 4: Der Auszubildende ist unterfordert

Ein mindestens genauso großes Problem wie die Überforderung ist die Unterforderung. Sie führt zu Langeweile, Gleichgültigkeit, Demotivation und gesteigerter Unzufriedenheit. Wenn Sie entsprechende Symptome erkennen oder wenn der Auszubildende seine Unterforderung sogar explizit ausdrückt, sind Sie als Ausbilder besonders gefordert.

Ihre Gegenmaßnahme

Sie sollten den Anspruch an die Arbeit dieses Auszubildenden deutlich erhöhen. Er braucht mehr Verantwortung und komplexere Aufgabenstellungen. Das kann dazu führen, dass er zumindest vorübergehend individuell behandelt werden muss. Wichtig ist außerdem: Sie sollten eine glaubwürdige Perspektive aufzeigen, warum der Azubi seine Ausbildung fortsetzen soll und in genau diesem Beruf eine brillante Zukunft vor sich hat.

Autor: Martin Glania

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