0228–9550120 ausbildernews@vnr.de
Jürgen Fälchle - Fotolia
Recht
17.07.2018

Was Ihre Azubis tun müssen und was nicht

Die meisten Auszubildenden kommen direkt von der Schule. Ihren Ausbildungsberuf kennen Sie oft nur aus Hochglanzbroschüren der Kammern oder Berufsverbände. Der betriebliche Alltag sieht oft anders aus: Auszubildende haben auch Pflichten. Für Frust und Enttäuschungen sorgen aber nicht nur unerfüllte Erwartungen. Auch von betrieblicher Seite wird oft vergessen, dass ein Azubi nicht jede Aufgabe übernehmen muss. Ein willkommener Anlass für Diskussionen …

Die unterschiedlichen Auffassungen vom Lernen

Wer eine Berufsausbildung macht, will etwas lernen. Doch die Vorstellung vom Lernen unterscheidet sich je nach Sichtweise: Ihre Auszubildenden wollen sofort möglichst viel Verantwortung übernehmen. Sie als Ausbilder erinnern sich an Ihre Ausbildungsjahre und lassen den „Stift“ erst einmal das Lager fegen. Und schon ist der Ärger da! Nicht nur mit Ihrem Auszubildenden, sondern auch mit Ihrem Betriebsrat. Der sieht es nämlich als seine Aufgabe an, darauf zu achten, dass Ihre Azubis auch etwas lernen.

Warum es auf den Zweck der Aufgabe ankommt

Natürlich ist es zunächst einmal Ihre Entscheidung, welche Aufgaben Ihr Auszubildender übernehmen soll. Arbeitsanweisungen sind immer noch individuelle personelle Maßnahmen. Ihr Betriebsrat darf sich nicht einmischen. Das ändert sich aber schnell, wenn Sie Ihrem Auszubildenden Aufgaben geben, die keinen oder nur einen geringen Lerneffekt haben. Lassen Sie ihn ständig aufräumen und fegen, geht Ihr Betriebsrat zu Recht auf die Barrikaden.

 

Ausbildungsziel entscheidet

Der Zweck der Aufgabe, die Sie Ihrem Azubi übertragen, spielt nämlich eine wichtige Rolle: Sie haben dafür zu sorgen, dass Ihre Auszubildenden das lernen, was für das Erreichen ihres Ausbildungsziels erforderlich ist (§ 14 Absatz  1 Nr. 1 Berufsbildungsgesetz). Und spätestens hier darf sich Ihr Betriebsrat einschalten.

Achtung!

Es ist die Aufgabe Ihres Betriebsrats, darüber zu wachen, dass die zum Schutz Ihrer Azubis geltenden Gesetze eingehalten werden (§ 80 Absatz 1 Nr. 1 Betriebsverfassungsgesetz). Und dazu gehört eben auch die gesetzliche Pflicht, Ihrem Auszubildenden das abzuverlangen, was nötig ist, damit er sein Ausbildungsziel erreicht.

Auch Sie als Ausbilder haben Pflichten. Lesen Sie hier, welche das sind.

Autor: Günter Stein

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Wie Sie Ihre Azubis fundiert beurteilen

Eine wesentliche Voraussetzung für das Erstellen einer gerechten Beurteilung ist das zielgerichtete Beobachten von Auszubildenden während ihrer Arbeit. Wer denkt, er könne einen Auszubildenden zum Ende des Ausbildungsabschnitts... Weiterlesen

23.10.2017
So motivieren Sie Ihre Azubis zum Bleiben

Wie soll es nach der abgeschlossenen Ausbildung weitergehen? Das ist eine Frage, die nicht nur Ihrem Azubi auf den Nägeln brennen sollte. Immerhin haben Sie sich über die Ausbildungszeit einen Mitarbeiter herangezogen, der ideal... Weiterlesen

23.10.2017
Kündigung eines erkrankten Azubis, der handgreiflich wurde

Frage: Ein Azubi hat das Fass zum Überlaufen gebracht: Er ist gegenüber einer Kollegin ausfällig sowie handgreiflich geworden. Außerdem war er ihr gegenüber sexuell übergriffig. Ich werde ihm jetzt kündigen, obwohl er nicht... Weiterlesen