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Ausbildungsqualität
19.02.2019

Wenn Ausbilderkollegen Veränderungen verhindern

Frage: Wir haben von der Geschäftsleitung den Auftrag bekommen, die Ausbildungsarbeit im Betrieb zu überarbeiten. Denn über die Jahre und Jahrzehnte, in denen die Ausbildung in unserem Betrieb praktiziert wird, haben sich Routinen eingeschlichen. Leider nicht immer zum Vorteil der Ausbildungsqualität und der Bewerbermenge. Der Stellenwert der Ausbildung soll verbessert werden. Nun habe ich aber einige Kolleginnen und Kollegen, die komplett blockieren. Wie reagiere ich richtig darauf?

Antwort: Natürlich wird es immer dann, wenn es zu Veränderungen kommt, Blockaden geben. Eingespielte Abläufe und Routinen sind schließlich sehr bequem und vereinfachen die Arbeit. Wenn Sie in diesem Frühjahr das Signal für eine Qualitätsoffensive geben, werden sich einige Ausbilderkollegen als Neinsager entpuppen. Bevor Sie diese durch neue, qualifizierte Ausbilder ersetzen (können), nehmen Sie sich ihrer an. Möglicherweise brauchen sie etwas länger, um zu erkennen, wie positiv und notwendig Ihre Ideen sind.

Mein Tipp: Sorgen Sie dafür, dass blockierende Ausbilder die „richtigen“ Kontakte haben. Damit sind Kollegen gemeint, die positiv auf Veränderungen reagieren und zudem ein hohes Ansehen genießen. Geben Sie einem Kollegen, der von Ihrem Veränderungswillen und von Ihren Innovationen überzeugt ist, den Auftrag, mit „Problem-Ausbildern“ zu sprechen. Das kann Wunder wirken. Und Wunder brauchen bekanntlich oftmals ein bisschen länger.

Nehmen Sie die Blockierer in die Pflicht

Lassen Sie skeptische Kollegen – wenn alles andere nicht hilft – selbst Vorschläge unterbreiten, wie sie zu einer besseren Ausbildungsqualität kommen wollen. Sprechen Sie in diesem Zusammenhang den Bewerbermangel an, den Sie mit Ihren Vorschlägen ebenfalls angehen wollen. Wo ist der Gegenvorschlag des Ausbilder-Kollegen? Erinnern Sie daran, dass von der Ausbildungsarbeit, die mit Bewerbungen qualifizierter Schulabgänger beginnt, die Zukunft des Unternehmens abhängt.

Werden Sie deutlich: Ohne Veränderungen, ohne Innovationen und ohne Qualitätsoffensive gehen die Bewerberzahlen nach unten. Diesen Trend müssen Sie jetzt gemeinsam stoppen. Wenn Sie den entsprechenden Fachausbilder so nicht ins Boot holen und er sich auch keine sinnvollen, eigenen Maßnahmen entlocken lässt, dann sollten Sie ernsthaft über dessen Ausbildungsverantwortung nachdenken.

 

Gehen Sie den Weg über die Abteilungsleiter

Um Ihre Botschaft an die Belegschaft und vor allem an die einzelnen Ausbilder zu bringen, brauchen Sie Multiplikatoren – und zwar solche, die etwas zu sagen haben. Daher sollten Sie Gelegenheiten nutzen, wenn Abteilungsleiter, beispielsweise mit der Geschäftsführung bzw. dem Vorstand, zusammensitzen. Fragen Sie beispielsweise an, ob Sie einen Vortrag zum Thema Ausbildung in einem solchen Gremium halten können. Dieser sollte kurz, aber eindringlich sein.

Mein Tipp: Überprüfen Sie Ihre Ausbildungsqualität auch mithilfe eines Qualitätszirkels. Dieser besteht aus Personen, die allesamt mit der Ausbildung in Ihrem Unternehmen zu tun haben: Ausbilder, Auszubildende, Kollegen, Vorgesetzte. Ziel eines Ausbildungszirkels ist, die Ausbildungsqualität im Rahmen einer mehrstündigen Tagung zu thematisieren und Verbesserungen zu diskutieren. Sie übernehmen die Moderation, strukturieren die Veranstaltung, sammeln Verbesserungsvorschläge für alle sichtbar, z.B. auf einer Flip-Chart, diskutieren diese und vereinbaren konkrete Verbesserungsschritte. So sind die Stänkerer automatisch gezwungen, mit Ihnen an einem Strang zu ziehen.
Autor: Günter Stein

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