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Recruiting
11.08.2019

„Ausbilderin gesucht“ − geht das?

Stellenausschreibungen müssen immer geschlechtsneutral formuliert sein. Das verlangt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) seit vielen Jahren. Es gilt auch für die Ausschreibung von Stellen, bei denen es um den Umgang mit Schülern und Auszubildenden geht.

Ein aktuelles Gerichtsurteil zeigt jedoch, dass es von dieser Regel Ausnahmen geben kann. So hatte eine Privatschule in Bayern eine Sportlehrerin gesucht (und keinen Sportlehrer). Auf die Stelle bewarb sich auch ein Mann, der abgelehnt wurde und der später Schadenersatz in 5-stelliger Höhe geltend machte. Er fühlte sich angeblich wegen seines Geschlechts diskriminiert.

Lehrplan schreibt getrennten Sportunterricht vor Zur Beurteilung des Falls muss man wissen: Der Basissportunterricht in Bayern wird getrennt nach Geschlechtern vorgenommen. Das schreibt der Lehrplan vor. Daher werden Mädchen von Sportlehrerinnen und Jungen von Sportlehrern unterrichtet. Hierfür gibt es vor allem 2 Gründe:

  • der körperliche Kontakt, der beispielsweise zur Hilfestellung beim Geräteturnen notwendig ist
  • die Aufsichtspflicht, der man auch in Umkleidekabinen nachkommen muss

Genau diese Gründe bestätigte das Landesarbeitsgericht (LAG) Nürnberg und wies die Argumente des männlichen Bewerbers ab (7 Sa 95/18 vom 20.11.2018). Der hatte geltend gemacht, dass in der Kabine auch Sportlehrerinnen Schamgefühle bei Schülerinnen auslösen könnten und dass sich auch Jungen in der Pubertät ungern von einem Sportlehrer anfassen ließen.

Was bedeutet das Urteil über die geschlechtsneutrale Stellenausschreibung für Sie?

Trotz des Urteils empfehle ich, nach wie vor alle Ausbilderstellen geschlechtsneutral auszuschreiben. Mir ist keine Ausbildungsordnung bekannt, die für die Ausbildertätigkeit ein bestimmtes Geschlecht oder eine Unterteilung in Gruppen nach Geschlechtern vorschreibt. Suchen Sie also nie nach einem „Ausbilder“ oder einer „Ausbilderin“, sondern stets nach „einem Ausbilder/ einer Ausbilderin“ bzw. nach „Ausbilder m/w/d“.

Ein Beitrag von Martin Glania.

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