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Aamon
Recht
05.06.2018

Ihre 9 wichtigsten Ausbilder-Pflichten

Das Berufsausbildungsrecht verlangt nicht nur von Ihren Auszubildenden, bestimmten Pflichten nachzukommen, es verlangt dies vor allem auch von Ihnen als Ausbilder. Da Sie der Profi sind, ist es wichtig, dass bei Ihnen möglichst selten Verfehlungen zu beanstanden sind, die zulasten des Ausbildungsbetriebs gehen. Insofern sind dieser Beitrag und die folgende Übersicht für Sie von großer Bedeutung.

Kennen und anwenden

Ihre allgemeinen Pflichten als Ausbilder sollten Sie von A bis Z kennen, und zwar möglichst ohne in das Berufsbildungsgesetz (BBiG) schauen zu müssen. Ansonsten können Ihnen – möglicherweise versehentlich – Verstöße unterlaufen. Und jeder davon wirkt sich gleich 3-fach negativ aus:

  1. Gefahr: Sie kommen in Konflikt mit der zuständigen Stelle, in der Regel der Kammer. Sie hat die Aufgabe, die Berufsausbildung zu überwachen. Werden dort sogenannte Leistungsstörungen Ihrerseits bekannt, müssen Sie mit Konsequenzen rechnen. Diese können letztlich bis zum Entzug der Ausbildungsberechtigung führen.
  1. Gefahr: Sie verlieren an Autorität gegenüber den Auszubildenden. Kommt es während der Ausbildung zu Problemen, werden diese Ihnen vorhalten, welche Fehler Sie selbst zu verantworten haben. Das ist kein fruchtbarer Boden für eine erfolgreiche Ausbildung.
  1. Gefahr: Unregelmäßigkeiten in Ausbildungsverhältnissen sprechen sich herum. Wer es sich heutzutage – in Zeiten des Bewerbermangels – leistet, seinen Pflichten nicht nachzukommen, der wird die Konsequenzen am Bewerbermarkt spüren. Gehen Sie davon aus, dass sich die besten Azubis nur bei Ihnen bewerben, wenn Ihr Ruf als Ausbildungsbetrieb einwandfrei ist. Die Konkurrenz ist einfach zu groß.

 

Pflichten des Ausbilders im Ausbildungsverhältnis

 

1. § 14 Abs. 1 Punkt 1 BBiG: Sie haben die berufliche Handlungsfähigkeit zu vermitteln, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist:

Damit ist keinesfalls gemeint, dass Sie für das Bestehen der Abschlussprüfung in jedem Fall geradestehen müssen. Bei Nichtbestehen sollten Sie aber in der Lage sein, zu belegen, dass von Ihrer Seite aus alles getan wurde, damit der Azubi das Ausbildungsziel erreicht. Unabdingbar ist daher, dass Sie die Ausbildungsordnung des Berufs, in dem Sie ausbilden, zur Grundlage aller Ausbildungsmaßnahmen machen. Darin enthalten sind alle Ausbildungsziele der jeweiligen Ausbildungsabschnitte. Jeder Ausbilder, der für die Auszubildenden in seiner Abteilung zuständig ist, sollte die Ausbildungsordnung – zumindest abschnittsweise – verinnerlicht haben.

2. § 14 Abs. 1 Punkt 2 BBiG: Sie müssen selbst ausbilden oder eine andere Person ausdrücklich damit beauftragen: 

Der Gesetzgeber will hierdurch erreichen, dass zum einen die Ausbildungsverantwortung klar geregelt ist. Zum anderen wird der Ausbildungsbetrieb in die Pflicht genommen, nur geeignete Mitarbeiter zu Ausbildern zu machen. Achtung: Der für die Ausbildung Verantwortliche muss den Azubi tatsächlich auch beobachten und beurteilen können und sollte daher überwiegend im Betrieb anwesend sein. Ist das nicht der Fall, wird in Zweifel gezogen, dass eine Ausbildung überhaupt stattfindet. Es ist schon vorgekommen, dass ein Azubi für den entsprechenden Zeitraum den Lohn für eine ungelernte Arbeitskraft erfolgreich eingefordert hat.

3. § 14 Abs. 1 Punkt 3 BBiG: Sie müssen Ausbildungsmittel kostenlos zur Verfügung stellen: 

Sorgen Sie dafür, dass Azubis über alle relevanten Ausbildungsmittel wie Maschinen, PCs, Schreibmaterialien, Mobiliar usw. verfügen. Das gilt auch für die Werkzeuge und Werkstoffe, die für die Prüfungen benötigt werden. Auf keinen Fall dürfen Sie von Auszubildenden oder ihren Eltern eine Kostenbeteiligung einfordern. 

Mein Tipp: Das gilt nur für den betrieblichen Teil der Ausbildung, nicht für die Berufsschule. Schulbücher und andere rein schulische Lernmittel müssen Azubis bzw. ihre Eltern selbst erwerben und bezahlen.

4. § 14 Abs. 1 Punkt 4, § 13 Satz 2 Punkt 7 BBiG: Halten Sie Ihre Auszubildenden an, zur Berufsschule zu gehen und ihren schriftlichen Ausbildungsnachweis zu führen: 

Die Formulierung „anhalten“ bedeutet, dass Sie – wenn nötig – kontinuierlich und aktiv Einfluss nehmen müssen, damit die Berufsschule tatsächlich besucht wird. Gleiches gilt für das Führen der schriftlichen Ausbildungsnachweise, was in der Praxis immer wieder versäumt wird. Sie müssen den schriftlichen Ausbildungsnachweis regelmäßig, etwa alle 4 Wochen, kontrollieren und abzeichnen. Achtung: Nur wenn Sie Ihrer Kontrollpflicht nachkommen, können Sie auch Konsequenzen ziehen, falls der Azubi seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Leider kommt es immer wieder vor, dass der schriftliche Ausbildungsnachweis monatelang, manchmal sogar jahrelang nicht geführt wird. Dafür trägt dann auch der Ausbildungsbetrieb die Verantwortung.

5. § 14 Abs. 1 Punkt 5 BBiG: Sie haben für eine charakterliche Förderung zu sorgen und eine sittliche oder körperliche Gefährdung zu vermeiden: 

Das beinhaltet das Recht des Auszubildenden auf einen rauchfreien Arbeitsplatz, Schutz vor sexueller Belästigung und Schutz vor körperlichen Gefahren. Die Fürsorgepflicht gilt für berufliche Belange. Beachten Sie bei der Ausübung dieser Pflicht, dass Sie bei Minderjährigen das elterliche Erziehungsrecht nicht beschneiden und bei Volljährigen die Eigenständigkeit eines erwachsenen Menschen respektieren. Sorgen Sie also für eine Berücksichtigung dieser Punkte. Folgern Sie aus Ihrer Fürsorgepflicht aber nicht, dass Sie einen umfassenden Erziehungsauftrag haben und aus Ihrem Azubi einen komplett anderen Menschen machen können. So ist das Gesetz nicht zu verstehen.

6. § 14 Abs. 3 BBiG: Sie dürfen nur Aufgaben verteilen, die dem Ausbildungszweck dienen und körperlich angemessen sind: 

Es gibt immer wieder Streitigkeiten darüber, ob eine Tätigkeit dem Ausbildungszweck dient. Dabei muss klar sein: Alle zugewiesenen Tätigkeiten müssen eine Verbindung zur Ausbildungsordnung haben. Zudem ist der körperliche Entwicklungsstand des Auszubildenden zu berücksichtigen. Vermeiden Sie also unbedingt die Vergabe von berufsfremden Arbeiten an Auszubildende. Sollte es in Ihrem Unternehmen Verstöße dagegen geben, dann reagieren Sie als Ausbildungsverantwortlicher sofort und weisen Sie den entsprechenden Kollegen/Ausbilder in die Schranken. Immerhin werden Verstöße mit bis zu 5.000 € sanktioniert. Dazu kommt ein Imageverlust, der noch viel gravierendere Folgen – zu rechnen ist beispielsweise mit spürbaren Konsequenzen am Bewerbermarkt – haben kann.

7. § 15 BBiG: Sie müssen Ihre Auszubildenden für die Berufsschule und die Teilnahme an Prüfungen freistellen: 

Grundsätzlich sind die Azubis für den Berufsschulunterricht und für alle Prüfungstermine freizustellen. Das gilt auch für Ausbildungsveranstaltungen, die außerhalb Ihres Betriebs stattfinden. Achtung: Azubis unter 18 Jahren müssen Sie an dem Arbeitstag, der der schriftlichen Abschlussprüfung unmittelbar vorangeht, zusätzlich freistellen. Das gilt auch beim ersten Teil der gestreckten Abschlussprüfung. 

Mein Tipp: Ihre Verpflichtung zur Freistellung besteht allerdings nicht, wenn der Berufsschulunterricht ausfällt. Weisen Sie Ihre Auszubildenden darauf hin, dass sie in diesem Fall in den Betrieb kommen müssen.

8. § 16 Abs. 1 BBiG: Sie haben die Pflicht, dem Auszubildenden bei Beendigung der Ausbildung ein Zeugnis auszustellen: 

Das Ausbildungszeugnis muss direkt zum Ausbildungsende schriftlich in Papierform und unterschrieben vorliegen – die elektronische Form ist ausgeschlossen. Wenn Sie eine 3. Person in Ihrem Unternehmen mit der Ausbildung beauftragt haben, dann muss auch dieser Ausbilder das Zeugnis mit seiner Unterschrift versehen. Diese Verpflichtung zur Ausstellung eines Zeugnisses haben Sie auch dann, wenn Ihr Azubi kein Zeugnis fordert. Fordert er von Ihnen ein qualifiziertes Zeugnis (mit Leistungs- und Verhaltensbeurteilung), dann müssen Sie diesem Wunsch entsprechen. Beim qualifizierten Zeugnis gelten folgende 3 Grundsätze:

  • Sie müssen einen wohlwollenden Maßstab anlegen.
  • Das Zeugnis muss vollständig sein und es dürfen keine wesentlichen Tatsachen für die Gesamtbeurteilung verschwiegen werden.
  • Sie legen das gesamte Ausbildungsverhältnis (vom ersten bis zum letzten Tag) zugrunde.

9. §§ 17 f. BBiG: Sie zahlen dem Auszubildenden eine angemessene Vergütung, über die er pünktlich verfügen kann:

Bei der Zahlung der Ausbildungsvergütung beachten Sie, dass diese spätestens am letzten Arbeitstag eines Monats dem Azubi zur Verfügung steht. Die Höhe muss angemessen sein. Das bedeutet konkret: Als tarifgebundenes Unternehmen zahlen Sie die für Auszubildende festgelegte Vergütung. Als nicht tarifgebundenes Unternehmen zahlen Sie mindestens 80 % einer vergleichbaren, üblichen Vergütung. Die übliche Vergütung wiederum kann dem Tariflohn entsprechen. Anhaltspunkte hierzu gibt Ihnen auch Ihre Kammer. Achtung: Die Vergütung muss mindestens einmal im Jahr steigen. Es hat sich bewährt, dass dies immer zu Beginn eines jeden Ausbildungsjahres geschieht.

Doch auch Azubis sind in der Pflicht – zum Beispiel beim Thema Berichtsheft…

 Autor: Günter Stein

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