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Ausbildungsqualität
30.04.2018

5 Regeln, wenn Sie Aufgaben an Azubis delegieren

Wenn Sie in der Lage sind, Verantwortung erfolgreich an Auszubildende zu delegieren, dann schlagen Sie 2 Fliegen mit einer Klappe: Zum einen entlasten Sie sich selbst und andere. Zum anderen bereichern Sie die Ausbildung in erheblichem Maße.

Trotzdem  ist  das  mit  dem  Delegieren  so  eine  Sache:  Eigentlich   sind Azubis ja keine vollwertigen Arbeitskräfte. Sie müssen noch  lernen und nicht in erster Linie produktiv arbeiten. Darüber hinaus ist mit der erhöhten Verantwortung der Azubis ein Risiko verbunden. Was ist, wenn etwas schiefläuft? Wer trägt die Verantwortung? Um Schäden durch zu schnelles oder zu weitgehendes Delegieren zu vermeiden, beachten Sie die folgenden 5 Regeln:

Delegieren Sie klar und eindeutig

Wer delegiert, muss sich deutlich ausdrücken, um Missverständnisse  von  vornherein  auszuschließen.  Daher  muss  sich  der  Ausbilder oder  Vorgesetzte  zunächst  einmal  selbst  klar  werden,  was  er  mit   dem Delegieren erreichen will und wie weit die Verantwortung des Auszubildenden gehen soll.  Erst  wenn  der  Ausbilder sich  darüber  bewusst ist, wird der Azubi informiert. Dieser muss genau wissen,  was er machen soll – und warum er es machen soll. Es muss klar sein,  in  welchem  Fall  der  Azubi  sich  rückversichern  sollte.  Zudem  muss eindeutig ersichtlich sein, welcher Schaden entstehen kann,  wenn bestimmte Fehler gemacht werden.

Der Vorteil bei dieser bewussten  Aufklärung: Der Azubi  kann eine Zusatzaufgabe, die über den Ausbildungsrahmenplan hinausgeht, durchaus auch ablehnen. Dann sollten Sie als Ausbilder nicht beleidigt sein, sondern vielmehr zu schätzen wissen, dass  sich  Ihr  Azubi offensichtlich  nicht  überschätzt.  Das ist eine Eigenschaft, die im Berufsleben durchaus wichtig ist.

Wählen Sie nur geeignete Aufgaben aus

Wenn Sie Aufgaben delegieren, ist  stets  darauf zu  achten, ob die entsprechende Arbeit dazu geeignet ist. Niemals sollte die  Entlastung einer bestimmten Person beim  Delegieren  im  Mittelpunkt stehen. Das würde dazu führen, dass vor allem unbeliebte Tätigkeiten delegiert werden. Nach dem Motto „Ab heute prüfst du alle Eingangsrechnungen“, ist eine unbeliebte Aufgabe, die allerdings sehr verantwortungsvoll sein kann, schnell abgegeben. Das ist allerdings nicht sinnvoll. Die Eignung und die Machbarkeit im Hinblick auf die jeweilige Ausbildungsordnung sollten im Vordergrund stehen.

 

Bieten Sie generell Hilfe an

Wenn ein Azubi eine ihm zugedachte, verantwortungsvolle Aufgabe perfekt ausführt, ist das für alle Beteiligten eine tolle Sache. Trotzdem sollten Sie niemals vergessen, dass die Verantwortung des Unternehmens immer bestehen bleibt. Tritt ein Fehler ein, der zu einem Schaden führt, dann kann keineswegs damit argumentiert werden, dass Schadensersatz nicht möglich sei, weil ein Azubi den Fehler gemacht hat. Bieten Sie daher stets an, dass im Rahmen von delegierten Aufgaben Fragen gestellt werden dürfen und Hilfe in Anspruch genommen werden kann. Fordern Sie  den Azubi auf, das grundsätzlich auch zu tun, wenn er unsicher ist.

Lassen Sie den Azubi sein Ding machen

Von sich aus können Sie hingegen Zurückhaltung üben: Wer eine Arbeit delegiert, der sollte seinem Azubi nicht ständig über die Schulter schauen. Das fällt manchmal zwar etwas schwer, ist aber etwas, das ein Ausbilder lernen kann und sollte. Legen Sie gegebenenfalls fixe Kontrollen und Besprechungen fest, lassen Sie den Azubi aber ansonsten sein Ding machen.

Belohnen Sie eine gute Einschätzung der  Situation

Auszubildenden, die in der Lage sind, den schmalen Grat zwischen Selbstständigkeit und Rückversicherung in kritischen Momenten hinzubekommen, zollen  Sie  ein  Extra­-Lob. Wer diese Eigenschaften besitzt, kann Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden – eine Schlüsselqualifikation für alle Berufe. Sorgen Sie also dafür, dass Auszubildende, die das schaffen, durch Lob und  gute Beurteilungen belohnt werden.

 

Wie Sie als Ausbilder noch erfolgreicher werden, erfahren Sie hier!

Autor: Martin Glania

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