0228–9550120 ausbildernews@vnr.de
fotomek - Fotolia
Recht
13.11.2019

Arbeitszeitkonto: Azubi darf Korrektur fordern

Werden auf dem Arbeitszeitkonto eines Auszubildenden zu wenige Stunden ausgewiesen, hat er Anspruch auf Korrektur. Schließlich soll das Arbeitszeitkonto darüber Auskunft geben, in welchem Umfang ein Azubi seine Arbeits- und Ausbildungsleistung erbracht hat. Gerade bei jungen Menschen – insbesondere bei Jugendlichen – muss die Arbeitszeit nämlich genau im Auge behalten werden.

Zwischen der tatsächlich erbrachten Arbeitszeit und dem Arbeitszeitkonto kann es immer wieder Differenzen geben. In der Mehrzahl der Fälle weist das Konto eher zu viele Stunden aus. Das Landesarbeitsgericht (LAG) Mecklenburg-Vorpommern hat in diesem Jahr jedoch über einen Fall entschieden, bei dem zu wenig Stunden ausgewiesen waren (2 SA 11/18 vom 19.3.2019).

Dieser Fall zum Arbeitszeitkonto wurde vor Gericht entschieden

Einem Mitglied der Bundespolizei wurden über Jahre Pausenzeiten von der tatsächlich erbrachten Arbeitsleistung abgezogen. Der Polizeibeamte war im Kontroll- und Streifendienst tätig. Daher unterlagen seine Ruhepausen besonderen Anforderungen, die nicht immer erfüllt waren – insbesondere unter dem Aspekt der Entspannung. Daher ging er gerichtlich gegen die aus seiner Sicht falsche Arbeitszeiterfassung vor.

Gericht: Korrektur ist erforderlich

Das LAG Mecklenburg-Vorpommern folgte der Entscheidung der Vorinstanz, des Arbeitsgerichts Stralsund, weitgehend. Es bestätigte, dass es sich bei den Pausenzeiten zum Teil um Arbeitszeit handele. Dem Polizeibeamten wurden dementsprechend umfänglich und rückwirkend Stunden gutgeschrieben.

Das lernen Sie aus dem Urteil Beachten Sie bei der Umsetzung des Urteils in der betrieblichen Ausbildungsarbeit, dass es hier striktere Regelungen zu Pausen- und Arbeitszeiten gibt. Diese müssen Sie grundsätzlich befolgen – insbesondere bei Auszubildenden unter 18 Jahren, für die gilt: 1.  Bei einer Arbeitszeit von 4,5 bis 6 Stunden ist dafür zu sorgen, dass der Auszubildende mindestens 30 Minuten Pause hat. 2.  Bei einer Arbeitszeit von mehr als 6 Stunden erhöht sich der Pausenanspruch auf 60 Minuten. 3.  Die Arbeitszeit an einem Stück darf 4,5 Stunden nicht überschreiten. 4.  Bei der zeitlichen Lage der Pausen ist zu beachten, dass die erste Pause frühestens nach einer Stunde Arbeitszeit beginnen darf. Die letzte Pause darf spätestens eine Stunde vor Feierabend beendet werden.

Außerdem ist mit diesem Urteil klar, dass Sie Fehler in der Arbeitszeiterfassung unmittelbar korrigieren müssen. Eine korrekte Erfassung ist die Voraussetzung dafür, dass sich der Azubi daran orientieren und nachweisen kann, seinen Leistungspflichten aus dem Ausbildungsvertrag nachgekommen zu sein.

Ein Beitrag von Martin Glania.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Nachhaltigkeitsbezogenes Ausbildungsmarketing

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen beim Thema Ausbildungsmarketing zunehmend vor großen Herausforderungen: Fachkräftemangel und Digitalisierung betreffen alle Branchen und Sektoren. Eine neue Broschüre zeigt... Weiterlesen

23.10.2017
Chancen und Gefahren der Digitalisierung

Wenn die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka „Berufsausbildung 4.0“ fordert, dann hört sich das zunächst einmal gut an. Schließlich ist das Schlagwort „Industrie 4.0“ in aller Munde. Gerade der Aspekt der... Weiterlesen

23.10.2017
Pünktlich, sauber, zuverlässig – das ist alles andere als von gestern

Wer mit sogenannten deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit, Sauberkeit und Zuverlässigkeit wirbt, der ist von gestern oder? Dass das nicht so sein muss, zeigt die Glaserei Sterz. Der Betriebsinhaber warb mit solchen Tugenden –... Weiterlesen