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Ausbildungsqualität
22.05.2018

Mit diesen 7 Maßnahmen sichern Sie nachhaltig eine hohe Ausbildungsqualität

Botengänge erledigen, das Lager aufräumen oder den Büroboden wischen – jeder 10. Azubi muss nach einem aktuellen Report des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) regelmäßig Tätigkeiten übernehmen, die nicht zur Ausbildung gehören. Natürlich läuft kaum eine Ausbildung ohne sogenannte „ausbildungsfremde Tätigkeiten“ ab. Aber diese dürfen nicht überhandnehmen. Mit welchen Maßnahmen Sie eine fortwährend hohe Ausbildungsqualität auch über lange Zeiträume gewährleisten können, stelle ich Ihnen hier vor.

Maßnahme 1: Analysieren Sie ehrlich

Auch wenn Ihr Unternehmen einen guten Ruf als Ausbildungsbetrieb hat, dürfen Sie es nicht als selbstverständlich ansehen, dass dies auch so bleibt. Gehen Sie daher ehrlich mit sich selbst und dem Ausbildungsunternehmen ins Gericht:

  • Haben Sie eine niedrige Abbruchquote und können Sie das Niveau halten?
  • Erzielen Ihre Azubis noch immer so gute Prüfungsergebnisse wie vor 10 Jahren?

Analysieren Sie solche Kennzahlen regelmäßig, damit Sie Veränderungen zeitnah erkennen und darauf reagieren können.

 

Maßnahme 2: Hinterfragen Sie Ihre eigene Ausbildungsabteilung

Wenn eine Abteilung oder eine Mitarbeitergruppe einen Auszubildenden beschäftigen, betreuen und anleiten darf, dann ist das eine besondere Herausforderung. Das gilt insbesondere für Sie. Denn Sie tragen die Verantwortung für die Vermittlung der Inhalte eines bestimmten Ausbildungsabschnitts.

Auch wenn Sie über Ihre Ausbildung noch niemals Klagen gehört haben – weder von Azubis noch von Ausbilderkollegen: Überlegen Sie ggf. gemeinsam mit Betriebsrat und Geschäftsführung, welche organisatorischen und personellen Maßnahmen zu einer Verbesserung führen können oder welcher Arbeitsbereich bzw. welche Person die kritischen Ausbildungsaufgaben alternativ übernehmen könnte.

Mein Tipp: Wichtig ist, dass Ihre Auszubildenden sich trauen, sich auch in kritischen Situationen zu melden und ihre Ansichten und Vorschläge zu Gehör bringen – nicht nur in Bezug auf die Ausbildungsinhalte, sondern durchaus auch in Bezug auf die Personen, die mit der Ausbildung betraut wurden. Sorgen Sie dafür, dass eine ausreichende Anzahl von Ansprechpartnern zur Verfügung steht und dass diese den Azubis bekannt sind. Auch anonyme Kommunikationswege können helfen etwa die Einrichtung eines „Kummerkastens“.

Maßnahme 3: Interviewen Sie Ihre ehemaligen Azubis

Zur Überprüfung der Ausbildungsqualität erhalten Sie wichtige Informationen vor allem von den Azubis selbst. Während der Ausbildung gibt Ihnen der eine oder andere Auszubildende möglicherweise aber keine ehrliche Antwort.

Bei Ihren ehemaligen Auszubildenden hingegen spielen solche Faktoren normalerweise keine Rolle mehr. Nutzen Sie daher die kompetente Meinung Ihrer Exazubis innerhalb des ersten halben Jahres nach deren Übernahme in ein Arbeitsverhältnis, um deren Meinung zur Ausbildungsqualität und vor allem um Verbesserungsvorschläge zu erhalten.

Maßnahme 4: Richten Sie einen Qualitätszirkel ein

Überprüfen Sie Ihre Ausbildungsqualität auch mithilfe eines Qualitätszirkels. Dieser besteht aus Personen, die allesamt mit der Ausbildung in Ihrem Unternehmen zu tun haben: Ausbilder, Auszubildende, Kollegen, Vorgesetzte.

Definition: Bei einem Qualitätszirkel handelt es sich um eine standardisierte und formalisierte Form der Zusammenkunft aller an der Ausbildung Beteiligten.

Ziel eines Ausbildungszirkels ist es, die Ausbildungsqualität im Rahmen von Sitzungen zu thematisieren und Verbesserungsmöglichkeiten zu diskutieren. Mitglieder des Zirkels sammeln Verbesserungsvorschläge, diskutieren diese und vereinbaren konkrete Verbesserungsschritte deren Umsetzung terminiert wird. Dabei sind auch Kriterien zur Messung des Erfolges festzulegen.

Achtung! Innerhalb der Gruppe sind die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass möglichst viele Ideen ohne Sanktionsmechanismen geäußert und vertieft werden können.

Dauer: Die am Qualitätszirkel Beteiligten treffen sich regelmäßig in festgelegten Zeitabständen, um die bestehenden Ausbildungsstrukturen zu verbessern. Das heißt: Qualifikationszirkel sind auf Dauer angelegt.

Maßnahme 5: Orientieren Sie sich an den Leitfragen des Bundesinstituts für Berufsbildung

  1. Stellen Sie die Ausbildung entlang festgelegter Kriterien regelmäßig auf den Prüfstand?
  2. Wie werden die Konsequenzen zur Verbesserung der Ausbildung abgeleitet?
  3. Wie beziehen Sie die unterschiedlichen Erwartungen der Beteiligten bei der Prüfung und Verbesserung der Ausbildung ein?

Diskutieren Sie diese Fragen doch einmal im Ausbilderkreis. Auf die Ergebnisse dürfen Sie gespannt sein!

Maßnahme 6: Beachten Sie diese beiden Regeln, wenn Sie „grenzwertige Aufgaben“ vergeben:

  1. Die berufsnotwendigen Tätigkeiten müssen in jeder Ausbildungsphase hinreichend vertreten sein. Erst wenn die relevanten Lernziele der Ausbildungsphase erreicht sind, kommen Tätigkeiten infrage, die eher am Rande eine Rolle spielen und von denen Sie möglicherweise einen höheren Nutzen haben.
  2. Sie dürfen nicht den Eindruck erwecken, einen „normalen“ Arbeitnehmer durch den Azubi ersetzen zu wollen. Wird z. B. mit der Anstellung eines Azubis eine Putzhilfe überflüssig und eingespart – und wird dies durch eine Entlassung auch noch offensichtlich –, stellt das einen klaren Verstoß gegen das Berufsbildungsgesetz dar.

Es kommt also auf die Häufigkeit der ausbildungsfremden Tätigkeiten an. Dabei muss der zu erlernende Beruf mit in die Waagschale geworfen werden, denn was in dem einen Beruf zum Alltag gehört, das gilt in einem anderen als berufsfremd – und damit auch als ausbildungsfremd. Damit ist der Ausbildungsrahmenplan Ihr Mittel zur Legitimation von Aufträgen, die an den Auszubildenden vergeben werden können. Allerdings gilt natürlich auch hierbei: Beachten Sie stets den angemessenen Umfang.

Maßnahme 7: Holen Sie den Betriebsrat mit ins Boot

Der Betriebsrat und auch die Jugend- und Auszubildendenvertretung können dazu beitragen, dass eine qualifizierte Ausbildung im Betrieb sichergestellt wird: mit einer Betriebsvereinbarung. Legen Sie zusammen die Eckpunkte einer Betriebsvereinbarung fest, z. B.:

  • Zielsetzung der Betriebsvereinbarung
  • Erstellung des betrieblichen Ausbildungsplans
  • Aufgaben der Ausbilder
  • Entwicklungsgespräche der Ausbilder mit den Auszubildenden
  • Beteiligung des Betriebsrats bei Gestaltung des Ausbildungsablaufes
  • Einsetzung eines Ausbildungsausschusses

 Wie Sie erfolgreich und achtsam führen, erfahren Sie hier…

Autor: Günter Stein

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