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Ausbildungsqualität
29.05.2018

Mit diesem 5-Punkte-Test fördern Sie die Eigeninitiative aller Azubis

Das kann einen Fachausbilder schon rasend machen – während sich auf Ihrem Schreibtisch die dringenden Vorgänge stapeln, das Telefon pausenlos klingelt und Ihr E-Mail-Postfach überquillt, schaut Sie der Auszubildende fragend an und dreht Däumchen: Was tun? Denn „viel Arbeit“ heißt nicht immer auch gleich „viel Arbeit für den Azubi“. Ganz im Gegenteil, oft kommt die Ausbildung Ihres Schützlings an den besonders turbulenten Arbeitstagen gezwungenermaßen zu kurz. Wie Sie die Eigeninitiative Ihres Azubis fördern und so kontinuierliche und wirkungsvolle Unterstützung erhalten, lesen Sie hier.

Eigentlich sind Ihre Auszubildenden ganz brauchbar. Geben Sie ihnen eine Aufgabe, haben sie zwar meist eine oder zwei Rückfragen, aber dann erledigen sie diese zu Ihrer Zufriedenheit. Doch das war es dann auch. Stellen Sie keine konkrete Aufgabe, kommt von ihnen auch keine Eigeninitiative. Und das bringt gleich 3 Probleme für Sie mit sich:

  1. Sie werden nicht in dem Maß entlastet, in dem die Nachwuchskraft Sie eigentlich entlasten könnte.
  2. Ihre Azubis erhalten nicht das Praxis-Know-how, das sie für ihren weiteren beruflichen Werdegang und den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung benötigen, sondern drohen sogar durch Langeweile und Unterforderung ihre Motivation zu verlieren.

Und nicht zu vergessen:

  1. Däumchen drehende oder über das Handy gebeugte Azubis vermitteln Ihren Vorgesetzten und auch Geschäftspartnern den Eindruck, dass weder diese noch Sie selbst ausgelastet sind (sonst würden Sie ja mehr delegieren) und auch Ihrer Aufgabe als Fachausbilder nicht optimal gerecht werden.
Mein Tipp: Schauen Sie über mögliche Leerlaufzeiten bei Ihren Azubis nicht diskret hinweg. Den meisten Azubis tun Sie mit dieser gut gemeinten Nachsicht keinen Gefallen. Azubis, die ihre Zeit oft nur absitzen, fühlen sich und ihre Arbeit nicht ausreichend wertgeschätzt, werden unzufrieden und ihre Leistung lässt nach. Hier ist es Ihre Aufgabe als Fachausbilder, möglichst früh zu intervenieren.

Selbst-Test: Prüfen Sie, ob Sie schon alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben, um Leerlaufzeiten zu vermeiden

 

  Prüfpunkt Erfüllt? Nicht erfüllt?
1 Haben Sie Ihrem Azubi Ihren ausdrücklichen Wunsch nach Eigeninitiative deutlich mitgeteilt?    
2 Haben Sie mit Ihrem Azubi eine Absprache getroffen, wie und wann er Ihnen Bescheid gibt, dass er aktuell nicht ausgelastet ist?    
3 Haben Sie immer bei allen laufenden Projekten und Vorgängen im Blick, welche Aufgaben Ihr Azubi übernehmen kann?    
4 Haben Sie grundsätzlich ein Standardprojekt, Routineaufträge oder Wiederholungsaufgaben in der Schreibtischschublade, die Ihr Azubi immer dann bearbeiten kann, wenn es im laufenden Betrieb keine aktuellen Aufgaben gibt?    
5 Haben Sie mit Ihrem Azubi vereinbart, Ihnen einmal wöchentlich sein Berichtsheft vorzulegen, zu dessen zeitnaher (wöchentlicher) Führung er verpflichtet ist?    

 

 

Auswertung: Jedes Kreuzchen in der Spalte „Nicht erfüllt“ bietet Ihnen Optimierungspotenzial, um Ihre Auszubildenden noch mehr einzubinden.

Zu 1: Fordern Sie Ihren Azubi deutlich auf, Bescheid zu sagen, wenn er nichts zu tun hat

Die meisten Beschäftigten wissen, was sie zu tun haben, und brauchen gar nicht erst nachzufragen. Und auch der Azubi möchte so schnell wie möglich als Kollege ernst genommen werden. Da passt es so gar nicht in sein Weltbild, als Einziger immer wieder nachfragen zu müssen, was er nun tun kann Machen Sie ihm deutlich, dass Sie das Nachfragen als wichtiges Indiz für seine Eigeninitiative interpretieren − und ihn nach Kräften dabei unterstützen.

Denn das gibt es (leider) auch: Kolleginnen und Kollegen, die genervt und teils unwirsch auf seine „Ich habe nichts mehr zu tun“-Aufforderung reagieren. Zeigen Sie ihm, dass Sie nicht zu dieser Gruppe gehören.

Mein Tipp: Machen Sie Ihrem Azubi klar, dass Sie ihn während der gesamten Arbeitszeit arbeiten sehen möchten. Erlauben Sie ihm ausdrücklich, Sie anzusprechen, wenn er nichts zu tun hat. So setzen Sie sich auch selbst unter Druck, kontinuierlich nach Möglichkeiten zu suchen, Ihren Azubi mit sinnvoller Arbeit zu versorgen. Um ständige unangemeldete Unterbrechungen Ihres Arbeitsflusses zu vermeiden, sollten Sie dazu mit Ihren Azubis bestimmte Kommunikationskanäle vereinbaren.

Zu 2: Vereinbaren Sie mit Ihrem Azubi, wie und wann er auf Sie zukommen soll

Diese Vereinbarung zwischen ihnen beiden umfasst auch den bevorzugten Kommunikationskanal. Dieser hängt sowohl von Ihren räumlichen Gegebenheiten und den zu bewältigenden Aufgaben als auch von Ihren persönlichen Vorlieben ab.

Zu 3: Nicht ohne meinen Azubi!

Machen Sie sich diesen Satz zu eigen. Ganz gleich, welche Arbeitsaufträge Sie erhalten oder welche Sonderprojekte Sie durchführen. Sie werden sehen, nach kurzer Zeit werden Sie bereits automatisch Arbeitsschritte definieren, die Ihr Azubi für Sie durchführen kann.

Mein Tipp: Besonders gut eignen sich Arbeiten, die unabhängig von anderen Schritten unternommen werden können (z.  B. telefonische Kundenbefragung) und nicht zeitkritisch sind. Sie wissen nie, wie häufig Ihr Azubi tatsächlich Leerlauf hat und wann er wegen Berufsschule oder innerbetrieblichem Unterricht nur kurze Gastspiele in Ihrer Abteilung gibt.

Zu 4: Legen Sie Standardprojekte fest, die alle Azubis laufend weiterentwickeln

Hierzu eignen sich alle Aufgaben, die eine ständige Aktualisierung erfordern: Pflege der Intranetseiten, Recherche von Adressen potenzieller Kunden, Materialverwaltung/-inventur.

Zu 5: Was muss, das muss: Halten Sie das Berichtsheft aktuell

Immer wieder kommt es vor, dass Azubis am Ende ihrer Ausbildung nächtelang an ihrem Berichtsheft sitzen und versuchen, die letzten Monate zu rekonstruieren. Viel sinnvoller ist die wöchentliche Aktualisierung. Sorgen Sie dafür!

 

Autor: Günter Stein

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