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Ausbildungsqualität
18.04.2019

3 Tipps: Wie Sie Kündigungen vermeiden

Unter bestimmten Umständen hat jeder Ausbildungsbetrieb das Recht, einem Auszubildenden zu kündigen. Allerdings ist es wichtig, dass Sie mit diesem Recht verantwortungsvoll umgehen. Das tun Sie vor allem dann, wenn Sie es im Vorfeld schaffen, Kündigungsanlässe zu vermeiden.

Aus meiner Sicht sind zahlreiche Kündigungen von Auszubildenden vermeidbar. Häufig liegen einer Kündigung Unwissenheit über Rechte und Pflichten, mangelnde Kommunikation und schlechte Vorbilder zugrunde. Fehlverhalten von Auszubildenden wird leider viel zu häufig gefördert statt eingedämmt. Um Situationen, die eine Kündigung zur Folge haben können, zu vermeiden, sollten Sie unbedingt rechtzeitig die Weichen stellen. Beherzigen Sie hierzu die folgenden 3 Tipps:

Tipp 1: Weisen Sie auf die Wichtigkeit der Berufsschule hin

Dieser Hinweis klingt zwar auf den ersten Blick etwas lapidar, trotzdem ist er aus meiner Sicht notwendig: Auszubildende, die noch unerfahren sind, machen häufig einen erheblichen Unterschied bei der Einstellung zur Berufsschule und zum Ausbildungsbetrieb. Viele nehmen den Betrieb, seine Regeln, die Vorgesetzten, Ausbilder und Kollegen ernst, weniger jedoch die schulischen Rahmen-
bedingungen, die Schulzeiten, die Lehrkräfte oder die Schulleitung.

Hintergrund: Viele Auszubildende haben während ihrer Schulzeit vor der Ausbildung die Erfahrung gemacht, dass sie auch zum Ziel kommen, wenn sie die Schule nicht ernst nehmen. Gerade junge Menschen, die sich ihre Krankheitszeiten selbst zurechtgelegt und selbst entschuldigt haben, tendieren dazu, dies während der Ausbildung in der Berufsschule ähnlich zu handhaben.

So festigen Sie eine ernsthafte Einstellung zur Berufsschule

Daher sollten Sie als Ausbildungsverantwortlicher von Beginn an dafür sorgen, dass die Berufsschulzeit als Ausbildungs- und Arbeitszeit betrachtet wird: Wer in der Schule fehlt, der fehlt in der Ausbildung. Die Möglichkeit, sich selbst schriftlich zu entschuldigen, gibt es nicht. Ist ein Azubi an einem Berufsschultag krank, dann gelten die gleichen Mechanismen wie an einem Tag im Ausbildungsbetrieb: In der Regel ist nach dem 3. Fehltag eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung fällig. Bei Auszubildenden, die sehr häufig kurzzeitig erkranken, können Sie die ärztliche Bescheinigung auch schon früher, beispielsweise ab dem 1. Krankheitstag, verlangen.

Mein Tipp:Verpflichten Sie Ihre Azubis von Beginn an dazu, dass sie am Morgen eines Krankheitstages auch dann den Ausbildungsbetrieb telefonisch informieren, wenn ein Berufsschultag ansteht. So legen Sie die Hürden zum Schwänzen etwas höher. Darüber hinaus muss der Auszubildende die in der Schule geltenden Regeln für eine Krankmeldung beachten. Möglicherweise ist auch dort ein Anruf im Sekretariat fällig.

 

Tipp 2: Schaffen Sie Regeln und geben Sie diese bekannt

Ein Sprichwort sagt: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“ Das ist zwar zweifellos richtig, setzt aber am falschen Hebel an: Vor allem sollte Unwissenheit vermieden werden. Auf die Ausbildung bezogen heißt das: Auszubildende müssen genau wissen, welches Verhalten von ihnen verlangt und welches nicht toleriert wird.

Beispiel 1: Umgang mit Betriebseigentum

Nach dem Berufsbildungsgesetz haben Auszubildende die Pflicht, Betriebseigentum – beispielsweise Maschinen und Computer, an denen sie arbeiten – pfleglich zu behandeln. Was heißt das aber genau? Azubis werden sich grundsätzlich an 2 Gegebenheiten orientieren:

Wie machen es die anderen? Ist der Umgang eher lax oder sehr sorgsam? Werden die beiliegenden oder ausgehängten Regeln beachtet oder nicht? Sind diese Regeln überhaupt auf aktuellem Stand? Kann man sich auf sie berufen? Wenn sich im Umfeld des Auszubildenden keiner an Regeln hält, die das Eigentum des Unternehmens schützen sollen, dann kann man das vom Azubi auch nicht erwarten. Sorgen Sie also dafür, dass es Regeln gibt, dass diese aktuell sind und ernst genommen werden und dass der Azubi in einem Umfeld arbeitet, in dem es positive Vorbilder gibt.

Wie weit kann ich gehen? Manche junge Menschen bevorzugen den bequemen Weg: Warum eine Maschine vor oder nach der Benutzung säubern oder ölen? Warum das Downloadverbot am PC beachten? Es schaut doch niemand hin. Und wenn doch, dann interessiert das Fehlverhalten doch keinen. Wer in so einer Einstellung bestätigt wird, der wird immer noch einen Schritt weitergehen. Bezüglich des sorgsamen Umgangs mit Betriebseigentum kann das die Tür zur völligen Sorglosigkeit und einem extrem laxen Umgang öffnen. Sorgen Sie also im angemessenen Ausmaß für Kontrolle und sprechen Sie die Personen an, wenn bestimmte Regeln nicht eingehalten werden.

Beispiel 2: Einhaltung von Arbeitszeiten

In den verschiedenen Ausbildungsabteilungen eines Unternehmens ist die Arbeitszeitdisziplin erfahrungsgemäß unterschiedlich. Auszubildende tendieren dazu, sich anzupassen. Dabei geht es vor allem darum, ob Pausenzeiten eingehalten werden, ob es zu Überziehungen kommt und ob eine großzügige Gleitzeitregelung bzw. der Verzicht auf Zeiterfassung ausgenutzt werden.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Auszubildende ihre eigenen Ausbildungszeiten kennen und sich unabhängig von ihrem Umfeld daran halten. Die jungen Menschen haben einen Ausbildungsvertrag unterschrieben, was mit individuellen Verpflichtungen einhergeht.

Mein Tipp: Gehen Sie mit Ihren Auszubildenden im 1. Ausbildungsjahr – beispielsweise im Rahmen des betriebsinternen Unterrichts – die Regelungen zur Ausbildungszeit anhand eines Tarif- oder Ausbildungsvertrags durch. Denken Sie daran, dass Gleitzeitregelungen heute häufig so kompliziert sind, dass sie für Arbeitnehmer, die wenig Erfahrung haben, kaum zu verstehen sind. Machen Sie in einer solchen Schulung deutlich, was die Folge sein kann, wenn sich ein Azubi bewusst nicht an die Regeln hält und zu seinen Gunsten betrügt: Damit setzt er seine Ausbildung aufs Spiel. In diesem Zusammenhang sollten Sie ruhig auch das Wort „Kündigung“ in den Mund nehmen.

 

Tipp 3: Vertrauen Sie auf die Macht des gesprochenen und geschriebenen Wortes

Regelmäßig Gespräche führen, auf Regeln hinweisen, das, was nicht gut gelaufen ist, einfach mal besprechen – Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung und der charakterlichen Schulung von Auszubildenden. Heben Sie also schon mal ermahnend den Zeigefinger (im übertragenen Sinne), um einem Azubi vor Augen zu führen, dass er an eine Grenze gestoßen ist.

Erneuern Sie vor allem von Zeit zu Zeit Aushänge und Auslagen, die auf Regeln hinweisen. Oder schreiben Sie eine Rundmail an alle Auszubildenden, falls es dazu einen Anlass gibt. Solche Informationsschreiben können die Themen Pünktlichkeit, Sorgsamkeit bei der Arbeit oder Freundlichkeit im Umgang mit Kunden zum Thema haben. Entscheiden Sie das je nach dem Bedarf in Ihrem Unternehmen.

Nächste Schritte: offiziell ermahnen und abmahnen

Letztlich können Sie eine Auseinandersetzung, die zu einer Kündigung führen könnte, verhindern, indem Sie ganz offiziell den Zeigefinger erheben – mit einer Ermahnung, die Sie auch so benennen. Wie Sie diese schriftlich am besten formulieren, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Erst wenn auch dieser Erfolg versprechende Weg erfolglos bleibt, sollte das arbeitsrechtliche Instrumentarium bemüht werden. Und das setzt – in aller Regel – vor die Kündigung noch mindestens eine Abmahnung.

Autor: Martin Glania

 

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