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Motivation
17.04.2018

Mit diesen 10 ganz besonderen Tipps motivieren Sie Ihre Azubis

Junge Menschen zu motivieren, ist eine Kunst, die von Ausbildungsverantwortlichen erlernt werden muss – und kann. Dabei spielen nicht unbedingt klassische Motivationsfaktoren die wichtigste Rolle. Der jungen Generation sind spezielle Dinge wichtig, die Sie berücksichtigen sollten.

Wer seine Mitarbeiter und Auszubildenden motivieren will, der rückt die Themen Geld und Sicherheit in den Mittelpunkt seiner Argumentation – so wird häufig angenommen. Diese Ansicht ist allerdings nicht unumstritten. Denn: Wenn Sie unabhängig von Geld und Sicherheit motivieren, beschränken sich die Auswirkungen nicht auf Prüfungen und andere Karrierefaktoren. Im Gegenteil: Sie werden Ihre Azubis im Alltag motiviert erleben. Stellen Sie daher gezielt andere Erfolgsfaktoren in den Mittelpunkt.

Erfolgsfaktor 1: Offenheit

Muntern Sie Ihre Azubis auf, offen über das Thema Motivation zu sprechen: Motivation hängt in besonderem Maße von den Tätigkeiten und dem Arbeitsumfeld der jungen Menschen ab. Auszubildende dürfen und sollten Verbesserungsvorschläge machen können, wie die Ausbildung verbessert werden kann. Ermuntern Sie Ihre Azubis dazu, offen zu sein und auch Kritik zu äußern. Versichern Sie, dass sich sachlich geäußerte Kritik keinesfalls negativ auswirkt.

Beachten Sie: Auch wenn Sie versuchen, die Ausbildung in allen Abteilungen aufzuwerten, wird es Ihnen wahrscheinlich nicht gelingen, die Motivation all Ihrer Azubis konstant hochzuhalten: Solange die Ausbildungsinhalte auf unterschiedlichen Tätigkeiten beruhen, wird es immer beliebte und unbeliebte Abteilungen geben. Was Sie allerdings erreichen können: Mithilfe der Kreativität und des Engagements Ihrer Azubis, die offen Kritik äußern und konstruktive Vorschläge machen, können Sie die motivierenden Faktoren in eher unbeliebten Abteilungen stützen. Damit ist viel erreicht.

Erfolgsfaktor 2: Transparenz

Gehen Sie einen Schritt weiter: beispielsweise, indem Sie Ihren Auszubildenden die Möglichkeit geben, ihren Gemütszustand offen zu zeigen. Das ist auf einer Magnettafel möglich, auf der die Mitarbeiter und/oder Auszubildenden täglich markieren, wie es ihnen geht. Auf einer Skala von „extrem ausgeglichen“ bis „megagestresst“ können sie deutlich machen, ob sie zurzeit Probleme haben, die sie belasten und die ihre Motivation beeinflussen.

Beachten Sie: Wenn Ihre Azubis dies ernsthaft betreiben, wird das dazu führen, dass sie viel miteinander sprechen – auch über Privates. Im besten Fall werden sie sich so gegenseitig aufmuntern und motivieren.

 

Erfolgsfaktor 3: Selbstständigkeit

Menschen müssen wichtige Entscheidungen für sich selbst treffen. Das ist ein entscheidender Faktor, um glücklich leben und arbeiten zu können. Wer wichtige Entscheidungen nicht selbst treffen kann, sondern sich nach Lehrern, Bekannten oder Vorgesetzten richtet, der wird seine Motivation auf lange Sicht nicht aufrechterhalten können. Achten Sie darauf, dass all Ihre Auszubildenden im Laufe der Ausbildung selbstständiger werden. Auch solche Azubis, die ihre Ausbildung eher unselbstständig beginnen, können sich im Laufe der Jahre erheblich wandeln und aufblühen. Nutzen Sie dieses Potenzial bei jedem Einzelnen.

Erfolgsfaktor 4: Vertrauen

Wer selbstständig arbeitet und entscheidet, spürt das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird. Trotzdem: Sie als Ausbilder sind in der Pflicht, Ihren Azubi ein Stück weit zu kontrollieren. Das gilt gerade dann, wenn er bei einer falschen Entscheidung einen vergleichsweise großen Schaden anrichten kann. Hält sich das Risiko hingegen in Grenzen, kann die Kontrolle entfallen. Das können Sie als Ausbilder durch eine Bemerkung wie „Bei Ihnen muss ich sicher nicht nachzählen“ oder „Ich verlasse mich voll und ganz auf Ihre Einschätzung“ fördern. Wird der Azubi auf diese Weise gelobt, bewirkt das, dass er bei Restzweifeln an der Qualität des Arbeitsergebnisses selbst noch einmal kontrolliert, um ein korrektes Arbeitsergebnis sicherzustellen.

Erfolgsfaktor 5: Freizeit

Junge Menschen legen großen Wert auf Lebensqualität. Das gilt im besonderen Maße für die Generation Y und die Nachfolge-Generation Z, die jetzt gerade im ausbildungsfähigen Alter ist. Sehr eng verbunden mit dem Grad an Lebensqualität ist die Möglichkeit des Einzelnen, die eigene Freizeit zu genießen. Das führt dazu, dass sich Arbeitszeiten manchmal an Freizeitereignisse anpassen müssen – und nicht umgekehrt.

Konkret heißt das: Je flexibler die Arbeitszeiten sind, desto größer ist der Gewinn für einen Auszubildenden. So ist er in der Lage, nachmittags und abends Veranstaltungen zu besuchen und private Termine wahrzunehmen. Flexible Arbeitszeiten haben somit großes Gewicht.

Tipp Zeigen Sie sich bei der Bearbeitung von Urlaubsanträgen stets flexibel. Bedenken Sie immer, dass hinter dem Urlaubsantrag eines Auszubildenden Freizeitwünsche stehen, die ihm wichtig sind. Daher ist die Ablehnung eines Urlaubsantrags nur dann zu empfehlen, wenn wirklich triftige Gründe dafür sprechen. Beispielsweise, wenn der gewünschte Urlaub auf einen Berufsschultag fällt. Oder wenn sehr wichtige betriebliche Erfordernisse vorliegen.

Erfolgsfaktor 6: Empathie

Versetzen Sie sich so gut wie möglich in Ihren Auszubildenden hinein: Versuchen Sie, seine täglichen, aber auch seine perspektivischen Bedürfnisse zu spüren. Wenn Ihnen das gelingt und Sie ihm emphatisch gegenübertreten, wird er sich gerne mit Ihnen unterhalten. Das gilt für Themen rund um Ausbildungsbelange, für seine berufliche Perspektive und für private Dinge.

Tipp Empathie ist eine Eigenschaft, die man erlernen kann. Trainieren Sie Ihre emphatischen Fähigkeiten, indem Sie Gespräche mit einem Auszubildenden bewusst führen. Stellen Sie sich bei jeder seiner Aussagen die Frage, was dies für den Azubi in seiner Situation bedeutet. Möglicherweise ist Ihnen das nicht ganz klar, weil Sie seine Lebensbedingungen nicht gut kennen. Dann sollten Sie diese erfragen. Je mehr Sie über sein Elternhaus, seine Schulkarriere und seinen Freundeskreis erfahren, desto eher sind Sie in der Lage, sich tatsächlich in seine Situation zu versetzen.

Erfolgsfaktor 7: Bestätigung im Team

Dass Erfolg motiviert, ist unumstritten und sozusagen ein Klassiker. Was allerdings noch mehr motiviert: Ihr gemeinsamer Erfolg mit dem Auszubildenden. Wenn Sie mit einem Azubi gemeinsam ein Projekt realisieren oder einen Plan schmieden, wie ein Defizit – beispielsweise eine schwache Note in der Berufsschule – behoben werden kann, dann motiviert der gemeinsame Erfolg nicht nur, er verbindet auch.

Das gilt allerdings nicht nur bei gemeinsamen Projekten zwischen Ausbilder und Azubi. Es gilt auch, wenn Auszubildende gemeinsam (ohne Ausbilder) erfolgreich sind. Wenn ein Azubi-Team etwas in der Gruppe erreicht, dann ist das lange positives Gesprächsthema. Der gemeinsame Erfolg baut die Beteiligten immer wieder auf und motiviert mittel- und sogar langfristig. Darüber hinaus wird das Betriebsklima gestärkt, der Zusammenhalt unter den Auszubildenden verbessert sich und die Arbeitsatmosphäre insgesamt wirkt motivierend.

Erfolgsfaktor 8: Anerkennung

Leider wird der Aspekt von Lob und Anerkennung in der Ausbildungsarbeit heute noch unterschätzt. Dass Kollegen und Ausbilder vielfach immer noch an Lob sparen, hängt in erster Linie mit mangelnder Kenntnis der positiven Wirkungen zusammen: Lob und Anerkennung bieten – richtig eingesetzt – ein enorm hohes Motivationspotenzial. Vor allem kostet es den Ausbilder nichts, ein Lob und noch ein Lob und noch einmal ein Extra-Lob anzubringen.

Beachten Sie: Trotzdem sollten Sie es nicht übertreiben. Jedes ausgesprochene Lob muss glaubwürdig sein. Anerkennung kann es nur für tatsächlich erbracht Leistungen geben. Das gilt auch für kleinere Leistungen – und vor allem für kleine Lernfortschritte im Rahmen der Ausbildung.

Erfolgsfaktor 9: Gerechtigkeit

Seien Sie bei der Verteilung von Lob jedoch vorsichtig: Auszubildende achten genau darauf, ob lobende Worte gerecht verteilt werden. Generell ist Gerechtigkeit ein Faktor, den jeder Ausbilder ernst nehmen muss. Das gilt nicht nur für das, was Sie Ihrem Auszubildenden positiv wie negativ sagen. Es gilt vor allem für die Dauer von Ausbildungsabschnitten, für die Zuordnung von Kollegen, für das Ausfüllen der Beurteilungsbögen, für die Rolle einzelner Auszubildender im Rahmen von Projekten und für die Übernahme nach der Ausbildung. Bewahren Sie Ihre Glaubwürdigkeit, indem Sie sich immer wieder die Frage stellen, ob Sie gerecht handeln und bewerten.

Erfolgsfaktor 10: Dank

Einfach mal „danke“ sagen oder Dankbarkeit zeigen. Kein Vorgesetzter, kein Ausbilder und kein Kollege sollte sich dafür zu schade sein. Im Gegenteil: Gerade gegenüber Auszubildenden ist es besonders wichtig, sich dankbar zu zeigen, wenn das angebracht ist. Es wertet die Person des Azubis auf, gibt Selbstvertrauen und vor allem: Es motiviert.

Autor: Martin Glania

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