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Motivation
30.04.2018

Die 10 wichtigsten Tipps für ein Krisengespräch mit Ihrem Azubi

Läuft in der Ausbildung etwas verkehrt, ist es Zeit für ein kritisches Gespräch – ein sogenanntes Krisengespräch – mit dem Auszubildenden. Setzen Sie dieses hervorragende Mittel, eine Besserung herbeizuführen, gezielt und gut vorbereitet ein. So stellen Sie die Weichen, um die Ausbildung zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Ihr Auszubildender kommt morgens schon mal zu spät; Gleiches hören Sie auch aus der Berufsschule. Oder er macht nicht immer das, was Sie als Ausbilder und andere Vorgesetzte gerne hätten. Möglicherweise vernachlässigt er auch seine Pflichten als Auszubildender, indem er mit den Ausbildungsmitteln nicht sorgsam umgeht oder das Führen des schriftlichen Ausbildungsnachweises vernachlässigt.

Setzen Sie ein Krisengespräch an

Als Ausbilder stehen Sie dabei vor einer Herausforderung, die Sie professionell annehmen werden und die Sie vor ein durchaus lösbares Problem stellt. Bitten Sie den Azubi mit der erforderlichen Ruhe, aber nachdrücklich zu einem Gespräch unter 4 oder 6 Augen.

Wählen Sie die ganz kleine Runde, wenn Sie Wert darauflegen, dass Sie unter sich sind und Vertrauliches besprechen können. Erweitern Sie die Runde dann, wenn es um ein kritisches Thema geht und Sie möglicherweise einen Zeugen brauchen. In einem ersten Kritikgespräch können Sie in der Regel darauf verzichten. Sie können aber dem Azubi anbieten, auch jemanden mitzubringen, z. B. ein Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung.

 

Beherzigen Sie bei der Gesprächsführung diese 10 Tipps:

Tipp 1: Führen Sie freundlich und vertraut in das Gespräch ein

Voraussetzung hierfür ist eine Gesprächsatmosphäre, die Störungen durch Telefon und Besucher vermeidet und in der Sie sich ganz auf den Auszubildenden konzentrieren können. Beginnen Sie das Gespräch bewusst mit einem positiven Aspekt, wenn es angemessen ist, sogar mit einem Lob. So gewinnen Sie das Vertrauen des Auszubildenden und zeigen ihm, dass Sie grundsätzlich an ihn glauben.

Tipp 2: Benennen Sie Ihr Anliegen deutlich und unmissverständlich

Leiten Sie zügig zum eigentlichen Anlass des Gesprächs über. Bleiben Sie dabei weiterhin freundlich, ohne jedoch etwas zu beschönigen.

Beispiel: „Zum Anlass unseres Gespräches: Sie sind in den letzten Wochen mehrfach zu spät im Betrieb erschienen. Das gilt sowohl für die Ankunft morgens als auch für das Erscheinen nach der Berufsschule.“

Gehen Sie noch einen Schritt weiter und zeigen Sie, dass Sie ganz genau informiert sind. Benennen Sie also die Tage des Fehlverhaltens möglichst exakt. Das nimmt dem Auszubildenden die Illusion, er könne – wie er das vielleicht von früher aus der Schule gewöhnt ist – leise, still und heimlich die Regeln brechen.

Tipp 3: Erläutern Sie noch einmal ausführlich und detailliert die Regeln

Es könnte sein, dass Ihr Auszubildender tatsächlich die Regeln nicht kennt, an die er sich zu halten hat. Gerade wenn es darum geht, nach der Berufsschule pünktlich zu erscheinen, gibt es immer wieder Missverständnisse. Aber auch die Frage, wer dem Auszubildenden Anweisungen geben kann und wer nicht, ist für Azubis vielfach nicht geklärt. Haken Sie hier konkret nach und stellen Sie Fragen.

Beispiel: „Wissen Sie denn, wann Sie nach der Berufsschule wieder im Betrieb sein müssen? Möglicherweise haben Sie hier eine falsche Information.“

So zeigen Sie dem Auszubildenden zweierlei: Sie gehen davon aus, dass er guten Willens ist, und Sie werden ihm eine weitere Chance geben.

Tipp 4: Hören Sie dem Auszubildenden ganz genau zu

Nicht jedes Fehlverhalten wird sich mit einem Missverständnis erklären lassen. Natürlich weiß der Auszubildende oft ganz genau, was er falsch gemacht hat. Er ändert sein Verhalten aber dennoch nicht – unter Umständen auch, um die Grenzen auszutesten. In einem Gespräch mit Ihnen wird er nun mit diesem Fehlverhalten konfrontiert.

Dabei sollte er auch die Chance erhalten, sich dazu zu äußern. Denn auch Sie als Ausbilder könnten einseitige Informationen erhalten haben. Die Meinung des Auszubildenden, beispielsweise in Bezug auf einen Konflikt mit Kollegen, rundet nun Ihr Bild der Situation ab. Sie können auf diese Weise aber auch wertvolle Informationen über die Ursache für das Fehlverhalten des Auszubildenden erhalten. Möglicherweise ist ihm eine Arbeit sehr unangenehm oder er kommt mit einem bestimmten Kollegen nicht aus. In beiden Fällen könnten sie helfend eingreifen, die Arbeit beispielsweise trainieren lassen oder durch „Umsetzen“ in Einklang mit dem Ausbildungsplan ein neues Arbeitsumfeld schaffen.

Tipp 5: Machen Sie Ihren Standpunkt unmissverständlich deutlich

In der Regel wird auch nach den Ausführungen des Auszubildenden klar sein, dass der Azubi bestimmte Regeln nicht beachtet hat. Es ist nun Ihre Aufgabe als Ausbilder, ihm klarzumachen, dass es so nicht geht. Geben Sie ihm jetzt noch einmal die Regeln, an die er sich zu halten hat, mit auf den Weg. Es ist ausgesprochen wichtig, dass es ab sofort keinen Spielraum mehr für Missverständnisse gibt. Wenn der Azubi also später diesen Raum verlässt, muss ihm klar sein, welche Verhaltensweisen Sie von ihm erwarten.

Beispiel: „Ich erwarte künftig von Ihnen, jeden Tag – sowohl in der Schule als auch im Betrieb – pünktlich zu erscheinen. Mir ist völlig klar, dass es im Ausnahmefall zu Verspätungen kommen kann. Wenn beispielsweise der Bus nicht kommt oder die Straßen verstopft sind, ist ein pünktliches Erscheinen nicht immer gewährleistet. Bedenken Sie aber auch: Ihr Spielraum ist mittlerweile sehr gering geworden.“

Tipp 6: Erarbeiten Sie gemeinsam eine Lösung

Zwingen Sie Ihrem Azubi nicht gegen seinen Willen bestimmte Verhaltensweisen auf. Erarbeiten Sie vielmehr gemeinsam mit ihm eine Strategie, wie künftig Fehler vermieden werden können. Lassen Sie Ihren Auszubildenden hierzu ruhig Vorschläge unterbreiten und nehmen Sie diese ernst. In der Regel sind solche Vorschläge durchaus vernünftig und zielen in die richtige Richtung.

Der Vorteil dabei ist: Stammen die Vorschläge zu Teilen von ihm selbst, wird er sie beherzigen und sich auch danach richten. Für die Lösungsstrategie ist es zudem wichtig, dass sie einen Zeitplan beinhaltet, der vom Auszubildenden und von Ihnen eingehalten wird. Es muss also deutlich werden, bis wann das Problem gelöst ist bzw. dass ab sofort eine Verhaltensänderung beim Azubi eintritt.

Tipp 7: Erläutern Sie die Konsequenzen eines möglichen Scheiterns

Auch wenn das Gespräch ruhig und freundlich verläuft, so sollte doch klarwerden, wie ernst Sie dessen Inhalt nehmen. Diese Ernsthaftigkeit muss sich auf den Auszubildenden übertragen. Daher deuten Sie zumindest an, dass weiteres Fehlverhalten Konsequenzen haben kann. Letztendlich gefährdet der Azubi nämlich seine eigene Ausbildung, wenn er sein Verhalten nicht bessert.

Beispiel: „Ich bin mir sicher, dass Sie das Problem lösen können. Wäre das allerdings nicht der Fall, hätte das weitreichende Konsequenzen. Leider ist schon manch ein Ausbildungsverhältnis an solchen oder ähnlichen Fragen gescheitert oder musste unnötigerweise mit einer Abmahnung belastet werden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das in Ihrem Fall verhindern können.“

Tipp 8: Vereinbaren Sie einen weiteren verbindlichen Gesprächstermin

Sie können die Verbindlichkeit Ihres aktuellen Gesprächs erhöhen, indem Sie einen weiteren Termin zu demselben Thema mit dem Azubi vereinbaren. Der Auszubildende hat so die Möglichkeit, Ihnen konkret zu zeigen, dass es auch anders geht. Außerdem weiß er, dass Sie weiterhin ein Auge auf ihn und seine Verhaltensweisen haben. Er fühlt sich also ab nun ein Stück weit kontrolliert und das ist auch gut so.

Mein Tipp: Sie sollten den vereinbarten Termin später auf jeden Fall auch wahrnehmen, um nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren – auch dann, wenn der Auszubildende ab sofort ein perfektes Verhalten an den Tag legt. Nutzen Sie die Chance des weiteren Termins, ihn dann gebührend zu loben.

 

Tipp 9: Formulieren Sie so, dass Sie sich nicht selbst überfordern

Alles, was Sie dem Azubi im Kritikgespräch mitteilen, sollte nicht nur der Azubi, sondern auch Sie selbst ernst nehmen. Daher rate ich dringend dazu, nicht zu überspitzt zu formulieren.

Beispiel: „Bei der nächsten Verspätung erhalten Sie eine Abmahnung.“ Diese Äußerung würde Sie selbst massiv unter Druck setzen. Denn möglicherweise gibt es für die nächste Verspätung einen besseren Grund als in den bisherigen Fällen. Beispielsweise könnte der Azubi auf dem Weg in den Betrieb jemandem geholfen haben. Es wäre dann nicht ratsam, die Abmahnung tatsächlich zu realisieren. Da Sie diese aber so unzweifelhaft angekündigt haben, haben Sie Ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt. Formulieren Sie daher zwar bestimmt, aber etwas weicher: „Wenn Sie Ihr Fehlverhalten nicht abstellen, müssen Sie mit einer Abmahnung rechnen.“ Mit dieser Formulierung erhalten Sie sich die Optionen, arbeitsrechtliche Maßnahmen zu ergreifen oder auch auf solche zu verzichten.

Tipp 10: Schließen Sie das Gespräch positiv und perspektivreich ab

Auch wenn das Kritikgespräch für den Auszubildenden alles andere als erfreulich war, sollten Sie versuchen, einen positiven Abschluss zu finden. Vermitteln Sie daher den Eindruck, dass Sie an den Auszubildenden glauben. Sie trauen ihm zu, sich künftig an die betrieblichen Regeln zu halten und im Ausbildungsbetrieb eine positive Rolle zu spielen. Denn schließlich haben Sie ein gemeinsames Ziel: Sie beide wollen, dass die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen wird. So geben Sie dem Auszubildenden nicht nur Selbstvertrauen, sondern machen darüber hinaus deutlich, dass Sie ein Stück weit mit ihm in demselben Boot sitzen. Ob das Boot auf Kurs bleibt, das bestimmt der Azubi selbst.

 

Weitere Tipps, wie Sie eine Ausbildungskrise meistern, finden Sie hier!

 

Autor: Günter Stein

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